Dienstag, 28. Januar 2014

 Unvergessen bleibt unser Platz 2, der auf eindrucksvolle Weise mit einer der größten Neuerungen unserer Zeit abrechnet. Mit Satire und messerscharfen Beobachtungen wird das allzu selbstgefällige Netzwerk auf seinen wahren Nutzen überprüft.
Luan Elster (Pseudonym)



Alexander Klaus  / pixelio.de


Ein PC in nahezu jedem Haushalt der ersten Welt, Highspeed Internet (naja, zumindest in großen Städten), das benutzer(un)freundlichste Betriebssystem aller Zeiten. Und social media en masse. Der perfekte Nährboden ist geschaffen. Und er wird besiedelt.

Laut einem Spiegel Online Artikel zählte Facebook als Paradebeispiel bereits am 14. September 2012 eine Milliarde Nutzer. Gründer Mark Zuckerberg verkündete dies – wer hätte damit gerechnet – mit einem Facebook-Eintrag: „Einer Milliarde Menschen zu helfen, ist unglaublich, es erfüllt einen mit Demut und es ist das, worauf ich mit Abstand am meisten stolz in meinem Leben bin.“

Seit wann „hilft“ Facebook Menschen? Und dann sogar einer Milliarde Menschen? Welche Funktion auf Facebook ist neu oder gar von Bedeutung?

Na gut, was kann man also machen auf Facebook... Zum Beispiel Bilder uploaden! Welch Bereicherung für unsere Gesellschaft. Nun zeigen Facebook-Nutzer der anderen Milliarde Menschen ungemein interessante Schnappschüsse von sich selbst und anderen. Hierbei bekommt man als Außenstehender eine enorme Bandbreite an Schätzen der künstlerischen Fotografie zu bieten. Von spätpubertären Damen, die sich in lasziven Posen in Waldstücken oder anderen faszinierenden Landschaften selbst inszenieren und dieses Bild nach einer professionellen Photoshop-Bildbearbeitung mit einer stimmigen, oft englischsprachigen und ungemein philosophischen Weisheit (etwa: „You only live once, so do the best with your life!“) uploaden, bis hin zu Momentaufnahmen von sich anderweitig blamierenden Mitbürgern.

Wer Bilder nicht mag, kann auf Facebook jedoch auch einfach sein Leben protokollieren. Dank der tollen neuen Facebook-Chronik können die Aktivitäten eines Facebook-Nutzers sogar chronologisch zurückverfolgt werden. Was ich mich dabei nur immer wieder frage: Warum sollte ich mein Leben protokollieren, wenn ich nicht gerade eine Autobiografie plane? Und warum interessiert es sogar noch meine Mitmenschen? Muss man sich ernsthaft Gedanken um seine (Facebook-)Freunde machen? Da einige User dazu tendieren, „Freunde“ bis in den vierstelligen Bereich und weiter zu sammeln, hat zu allem Überfluss auch noch eine breite Masse trotz Privatsphäre-Einstellungen, die nur Freunden das Einsehen ermöglichen, Zugang zu diesen Inhalten.

Für schreibfaule User hat Mark Zuckerberg aber auch eine bequeme Lösung: Einfach „Gefällt mir“ drücken. Liken, liken, liken. Diese Funktion ist ebenfalls nicht neu, dennoch interessant: Man kann zwar stets zeigen, was man mag. Eine Dislike-Funktion gibt es jedoch nicht. Schade, sonst könnte man vermutlich Facebook oder gar den Facebook-Papst Mark Zuckerberg höchstpersönlich disliken.

Ebenso bequem ist es, andere Posts zu teilen. Aus Langeweile teilen die Freunde des Teilers das Geteilte nochmal und dessen Freunde tun es ihm gleich. Es entsteht (manchmal) eine Kettenreaktion der Teilung, wodurch sich bestimmte Inhalte unglaublich schnell verbreiten. Aber ist das wirklich immer sinnvoll? Gehen einem nervige Hype-Erscheinungen nicht irgendwann einfach nur noch auf die Nerven?

Man kann aber auch noch weiter gehen und Facebook-Seiten abonnieren, um ständig auf dem neusten Stand zu bleiben. Das wäre eigentlich ganz praktisch, wenn nicht vor allem große und beliebte Facebook-Seiten dazu tendieren würden, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu posten, um möglichst viele Likes abzugreifen.

Zwar gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten, Zuckerbergs Geniestreich zu genießen, beispielsweise Chatten, Anstupsen oder Farmville-Einladungen. Meine Erfahrungen während meiner Zeit als Gesichtsbuchler beschränken sich jedoch weitgehend auf die bereits genannten.

Was stört mich also an Facebook?

Es leistet keinen nennenswerten Beitrag zu unserer Gesellschaft. Wie ein Parasit labt sich diese „Errungenschaft“ an den Informationen über seine Anhänger. Deren Profile sind jedoch nicht hinsichtlich aufkommender Werbung mit Bedacht zu erstellen, denn sie machen den Ersteller nicht nur sichtbar für Facebook, sondern auch für mehr oder minder Außenstehende (je nach Privatsphäre-Einstellungen und Ausprägung der Freundesammelleidenschaft). Glücklicherweise beschränken sich die von mir beschriebenen, leicht zugespitzten Randerscheinungen auf einen vergleichsweise kleinen Teil der Nutzer, jedoch ist selbst dieser kleine Teil ein Teil, der kein Teil sein müsste und sollte.

Es ist definitiv nicht immer falsch, ein Profil von sich zu erstellen und auf sich aufmerksam zu machen und dadurch Kontakte zu knüpfen. Man sollte sich jedoch stets überlegen, wo, wie und wem man sich präsentiert.


1 Kommentar:

  1. Eine feine satirische Dekonstruktion dieses Massenphänomens.

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