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Donnerstag, 20. März 2014


Julian Reith
Wettbewerbsbeitrag - Jugend denkt Europa



Griechenland 2012: Menschen versammeln sich in Massen auf der Straße. Pappfiguren Angela Merkels zeigen den Hitlergruß mit einer Hakenkreuzbinde am Oberarm. Junge Leute verbrennen deutsche Flaggen.

Mittwoch, 29. Januar 2014

Niklas Götz

Vor kurzem hat die alljährliche, Grimme-Preis-nominierte kulturelle Diarrhoe wieder begonnen, in der 11 anbiedernde Auswürfe der Leistungsgesellschaft in den klinisch reinen Dschungel-Folterkeller des intellektuellen Kerkermeisters des Privatfernsehens RTL gesperrt werden. Eigentlich kein gesellschaftsrelevantes Thema? Von wegen, denn hier kann man kulturell gezähmten Sadismus erleben!
YanCoasterman


Dieser Text wurde vor Beginn der diesjährigen Staffel verfasst.

Doch bevor wir das Prinzip des Sadismus hinter diesem Format erkennen, sollten wir zuerst versuchen, das Format zu verstehen. "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" ist nämlich mehr als nur eine prekarische Voting-Show mit Celebrity-Charakter.
Fangen wir erst mal mit dem Menschenmaterial an. Dieses ist im Gegensatz zum eigentlich ironisch gemeinten Titel eine Auswahl psychisch wie finanziell gescheiterter Z-Prominenter. Um dem Zuschauer einen größtmöglichen Unterhaltungswert zu bieten, sind sie für entsprechende Rollen (Macho, Muttie, Lästertante) bereits von selbst geeignet oder entsprechend instruiert. Unabhängig hiervon sind jedoch drei Gruppen zu unterscheiden, welche bereits bei der oberflächlichen Darstellung der bedeutungslosen und zum Fremdschämen verführenden Lebensläufe offensichtlich werden: die Langweiligen (auch Fehlinvestitionen genannt; sie liegen in der Hängematte, öden selbst bei der Dschungelhinrichtung an und werden bei Zuschauervoting recycelt), die Lieblinge und die Opfer.
Die Lieblinge sind zwar Z-Promis wie alle anderen, schaffen es aber, eine persönliche Beziehung zum Zuschauer aufzubauen. Aus ihnen kürt man am Ende den Kerkerkönig. Bestes Beispiel ist Joey Heindle: in ihm ist weniger Hirn als in einer Gelbwurst, jedoch war er so naiv, dass beim Zuschauer das Kindchenschema ausgelöst wurde. Ähnliches erreicht man auch, wenn man es schafft, dass sich der Zuschauer mit einem identifizieren.
Doch werden uns heute die Opfer ganz besonders interessieren, denn wegen ihnen wird die Sendung millionenfach eingeschaltet (ähnlich wie bei DSDS, das gleiches Prekarierfernsehen mit ähnlichen Funktionen bietet; auch hier will man eigentlich nicht die Gewinner sehen, sondern das talentfreie Vakuum bei den Castings).
Opfer sind jene, die es schaffen, bei jedem gesunden Menschen Antipathie auszulösen, sodass eine Identifizierung unmöglich wird und die Distanz möglichst groß ist. Sie sind geprägt von einem abstoßenden Charakter, von krankhaftem Narzissmus, einer allgemein agressiven Art und stammen aus dem Kapitol des schlechten Geschmacks. Oft sind es auch Existenz-Exhibitonisten. Die stete Behauptung, wider allgemeinem Wissen nicht wegen des Geldes, sondern wegen der "Reportation" (eine lexikalische Schande des aktuellen Kandidaten und musikalischen Gollum Michael Wendler), erzeugt noch mehr Abneigung beim Zuschauer.
Diese Einteilung in drei Gruppen (von denen schnell, meist schon nach den ersten Votings nur noch zwei übrig bleiben), setzt sich im "Alltagsleben" innerhalb des Wintergartens der Irrenanstalt fort.
Die Opfer, oft in der Überzahl, beginnen mit Schmutzkampagnen gegeneinander, welche innerhalb der ersten Woche zur Bildung intriganter Grüppchen führen, die stark an die bipolare Welt während der Kuba-Krise erinnern.. Dies wird gespickt durch verbale Duelle auf dem Niveau eines schwer Betrunkenen, schlecht gespielten Liebesgeschichten, Anfällen des Tourett-Syndroms, obszönen Handlungen mit Fäkalien und exhibitionistischen Avancen. In dieser Phase werden die Lieblinge immer weniger, weil sie darin versagen, ihr gutes Image zu erhalten, indem sie entweder dem Gruppenzwang erliegen und sich für die falsche Seite entscheiden, oder aber wie ein Reh im Scheinwerferlicht erstarren und uninteressant werden. In der zweiten Woche brennt dann ein heißer Krieg aus, in der sich alle so beschmutzen, dass nur noch ein oder zwei Lieblinge übrig bleiben. Der ständige Drang, sich selbst mit abstoßenen Geständnissen in die Medien zu bringen, ist eine nur begrenzt sinnvolle Idee, da sie zwar bei Menschen mit ähnlichen Erfahrungen eine Identifikation ermöglichen, das falsche Spiel beim Haschen um Mitleid wie ein Süchtiger nach der Droge schnell durchschaut und der Zuschauer dessen überdrüssig wird.
Das Konfliktpotential im Mehrbettdschungel wird durch die große Nähe zwischen den sozial inkompetenten Z-Promis, dem ständigen Hunger (welcher nur durch die an Woyzeck erinnernde Reis-Bohnen-Diät bekämpft wird), der für verwöhnte Ekel unpassende Möblierung und die ab und zu aus dem Zoohandel eingeführte Tiere verstärkt.
Noch wichtiger als der Alltag im deutschen-australischen Guantanamo ist jedoch die tägliche Hinrichtung einer oder mehrerer vom Dschungelmob oder den telefonsüchtigen Zuschauern ausgewählter Grenzdebiler. Die Perfektion in der Wahl der Folterinstrumente erinnert ehrfürchtig an das große Vorbild der Hungerspiele. Hier hat der Auserwählte die Möglichkeit, sein Image zu bearbeiten. Ein Opfer wird besonders gern gewählt. Bei der Prüfung kann es zum Super-Opfer aussteigen oder zum Langweiligen verfallen. Sollte es unter Tränen und dem Kollaps nahe die Dschungelprüfung mehr oder weniger bestehen, so wird es nochmals außerwählt. Setzt sich dieses Verhalten fort, wird es ein Super-Opfer und so lange wiedergewählt, bis es die Arena verlässt oder die Zuschauer ihre Hinrichtungskompetenz verlieren. Tag für Tag können sich so die Zuschauer an krampfhaften Heulanfällen, ausgelöst durch plötzlich und nie dagewesenen Phobien und Veganismus erfreuen. Sein Rang als normales Opfer kann man behalten, wenn ein souveränes Bestehen der Prüfung mit narzisstischen Anfällen á la: "Ich bin der King of Currywurst!" begleitet wird, man vom Super-Opfer überstrahl wird oder sich einfach nur etwas dumm anstellt. Der Verfall zum Langweiligen ergibt sich, sollte mn die perfid-psychopathischen Prüfungen kommentarlos über sich ergehen lässt, während ein herzliches, aber kompetentes Verhalten den Weg zum Liebling glättet.
Bei den Lieblingen kann der Rang nur bestehen, wenn man zwar sein Leid zeigt, es aber altruistisch (um CARE-Packete zu erarbeiten) erträgt und dabei am besten noch recht lustig erscheint – oder bei mangeldem Humor zumindest eine gute Figur macht. Es reicht aber auch, so inkompetent zu sein, dass der Zuschauer sich überlegen fühlt. Ein sozialer Umstieg (eine Hierarchie möchte ich nicht einführen) in Richtung (Super-)Opfer/Langweiliger ist jedoch auch möglich.
Eine der großen Zaubereien sind natürlich die Scheiterhaufen der deutschen Medienwelt, die soganannten Dschungelprüfungen welbst. Sie bestehen aus physischen oder psychischen Herausforderungen. Letztere sind als lebende oder tote Anwendungen von Teilen von Wirbeltieren oder ganzen Wirbellosen zu verstehen, die sowohl innerlich oder äußerlich angebracht werden. Ziel dieses Massenmords ein unschuldigen Tieren ist es, denn Kandidaten so zu provozieren, dass er seine Verhaltensmaske fallen lässt und gleichzeitig den Zuschauer bis zum Erbrechen anzuekeln, und zwar nicht nur vor der Prüfung, sondern auch den Kandidaten. Der stets präsente soziale Druck durch die Mithäftlinge entsteht durch die Rechtfertigungspflicht mittels der Nahrungsboni, welche mittels Bestehen der noch nicht von der Genfer Konvention betroffenen Foltermethoden erlangt werden.
Das Befreien der Tribute aus den Brechreizspielen mittels dem bekannten "Daumen hoch/runter"-System (die Daumen wurden durch Telefone ersetzt) ist dann nur noch nachrangig, da es nur dazu dient, dem ekelhaften Spektakel ein Ende zu geben, indem zuerst Langweilige, dann Opfer herausgewählt werden. Übrig bleiben nur noch Super-Opfer, die dann gegen die letzten verbleibenden Lieblinge verlieren – natürlich nicht ohne noch einmal in Prüfungen als Zuschauerfutter verheizt zu werden.
Gerade jedoch die Super-Opfer haben die besondere Fähigkeit, bei den Lieblingen Feindschaft hervorzurufen, diese auf eine Schmutzkampagne gegen sie zu hetzen und dadurch auf die Dunkle Seite der Prominenz zu führen, wodurch das Super-Opfer als Gemobbter zum Liebling werden kann – man nennt es die Kusmagk-Strategie.
Am wichtigsten sind jedoch die stets im Doppelpack auftretenden Foltermeister Phobos und Deimos, auch Pest und Cholera genannt. Ihre Hauptaufgabe ist das Anpreisen der Foltermethode im Stile des Großinquisitors sowie das Verspotten und Niedermachen der grenzdebilen Schreckschrauben in der Pseudowildnis. Die beiden audivisuellen Horrorpuppen könnten nicht nur Freddie und Jason ersetzen, sondern nehmen auch noch den Zuschauer ab, böse Witze über bereits am Boden liegende Existenzen zu erfinden. Gottgleich prägen sie das Leben der Bewohner des Irrenzoos auf eine an Verbrechen an der Menschlichkeit grenzende Weise. So wurde aus "Sarah Knappig" "Sahra Dingens", und zwar für immer – man könnte gleich den Nachnamen beim Standesamt ändern lassen, wenn es dies nicht schon von alleine getan hätte. Dies bleibt nur bei Noch-Nicht-Gefangenen im Rahmen der Satire (und zwar immer, wenn man auf Geschehnisse und Kritik in der Heimat reagiert). Jeder der Amöben in der Petrischale des Privatfernsehens ist dem Rufmord der Scharfrichter hilflos ausgeliefert, wobei die Grenzen von Satire, Humor, Polemik und Kabarett nicht nur überschritten, sondern schlichtweg vernichtet werden. Und die Welt lacht mit.
Wozu der ganze Zauber? Warum schauen sich Millionen Menschen (nicht nur in Deutschland; diese Show gibt es in fast jedem Land) diesen schleimigen Auswurf der Fernsehkultur an?
Exhibitionistische, abstoßende Prominente, die intellektuell dem Zuschauer unterlegen sind und dadurch sein Selbstwertgefühl steigern, gibt es oft. Voting-Shows ebenso. Aber leidende Prominente, gespickt mit diesen Elementen und gepaart mit dem Gruppenverhalten von Asozialen ist fast einzigartig. Es gab zwar noch ein ähnliches Projekt beim Konkurrenzsender Pro7, dieses scheiterte jedoch offensichtlich an inkompetenten Vormobbern (also Moderatoren).
Daraus erkennt man, dass hierin der Schlüssel zum Erfolg liegen muss. Wenn ich mich wieder auf den Anfang des Textes beziehe, sollte mit meiner These der Erfolg der Show verständlich werden.
Wenn man akzeptiert, dass jeder Mensch einen kleinen, aber nicht zu unterschätzenden Hang zum Sadismus hat, wird es schnell offensichtlich. Denn warum gucken Menschen Filme wie "Saw"? Wohl nicht, um zu lernen, wie man Serienmörder abwehrt. Warum erfreuen sie sich an Missgeschicken aus dem Internet? Wohl nicht aus Mitgefühl. Warum wählen sie immer wieder den selben Prominenten, um gequält zu werden, obwohl er nicht mehr will? Wohl nicht, um ihn eine Chance zur Profilierung zu geben. Die Antwort ist, dass Menschen ihren Sadismus kulturell kanalisieren und mit diesen Mitteln ausleben, um im Alltagsleben davon befreit zu sein – ebenso wie manche Menschen ihre Aggression kanalisieren und beim Kampfsport ausleben, um im Alltagsleben entspannter zu sein.
Das ganze Format ist darauf abgerichtet, die Opfer zu quälen. Mit Absicht werden Menschen gewählt, deren Lebensläufe und Verhalten größtmögliche Distanz zum Zuschauer schafft, was ihm die Auslebung des Sadismus erleichtert (entscheidender Vorteil zum Vorbild der Hungerspiele: Es macht dem Zuschauer mehr Spaß, Z-Promis leiden zu sehen als Kinder sterben zu sehen).
Weiterhin werden die Opfer zu Konflikten zueinander motiviert, ebenso dazu, sich selbst darzustellen, was beides dazu führt, dass der Zuschauer das falsche Spiel erkennt, die Opfer als moralisch minderwertig abstempelt und damit moralisch fragwürdiges Verhalten gegenüber ihnen legitiermiert – ebenso wie man einen Ketzer vogelfrei erklären konnte.
Schlüsselrolle haben die Moderatoren, die bei der Entmenschlichung der Opfer eine Hilfestellung leisten und gleichzeitig den Zuschauer vertreten, indem sie sich stellvertretend für ihn über das Menschenmaterial lustig machen und sich gleichzeitig mit dem Zuschauer indentifizieren.
Dieser Vorgang wird bei der Dschungelhinrichtung zum Höhepunkt geführt: In der rituellen, psychischen Gewaltanwendung an den Opfern kann der Zuschauer seinen Sadismus an den Z-Prominenten ausleben, indem er unterbewusst die Rolle der Moderatoren einnimmt und selbst zum Foltermeister wird. Dabei wirkt die Sadismusentladung umso stärker, je mehr der Zuschauer selbst von der Prüfung abgeschreckt wird. Paradebeispiel ist jene Prüfung, bei der kulturell abgelehnte Speisen vollständig verzehrt werden müssen. Da hier das Foltermittel durch den Verzehr mit den Gefolterten eins wird, ist es besonders perfide und daher auch besonders wirksam.
Die Krönung des Königs des Irrenhauses ist nur noch eine Formalität, am Ende der Staffel hat der Zuschauer seinen Sadismus für ein Jahr ausgelebt.
An der Stelle fragt man sich, was wäre, wenn die Menschen ihren Sadismus nicht kanalisieren könnten. Sicherlich gab es ja auch eine relativ friedliche Gesellschaft vor dem Dschungelcamp, Killerspielen & Co. . Aber jeder braucht ein Ventil, will er sich nicht gegen seine Mitmenschen richten. Das alte Rom hatte seine Ventile ja im großen Stil (da hat man schlicht Verbrecher von einem Löwen fressen lassen – heute lässt man Z-Promis Löwen-Genitalien verzehren). Auch im Mittelalter hatte man Hinrichtungen. In der Moderne wurde es jedoch schwierig, die Ventile gingen aus, schließlich war Sadismus verachtet. Das Dschungelcamp brach dieses Tabu und öffnete so das Ventil – und wenn man auf die Quoten blickt, so strömt dort sehr viel durch – ungetrübt von ethischen Problemen.

Dienstag, 28. Januar 2014

 Unvergessen bleibt unser Platz 2, der auf eindrucksvolle Weise mit einer der größten Neuerungen unserer Zeit abrechnet. Mit Satire und messerscharfen Beobachtungen wird das allzu selbstgefällige Netzwerk auf seinen wahren Nutzen überprüft.
Luan Elster (Pseudonym)



Alexander Klaus  / pixelio.de


Ein PC in nahezu jedem Haushalt der ersten Welt, Highspeed Internet (naja, zumindest in großen Städten), das benutzer(un)freundlichste Betriebssystem aller Zeiten. Und social media en masse. Der perfekte Nährboden ist geschaffen. Und er wird besiedelt.

Laut einem Spiegel Online Artikel zählte Facebook als Paradebeispiel bereits am 14. September 2012 eine Milliarde Nutzer. Gründer Mark Zuckerberg verkündete dies – wer hätte damit gerechnet – mit einem Facebook-Eintrag: „Einer Milliarde Menschen zu helfen, ist unglaublich, es erfüllt einen mit Demut und es ist das, worauf ich mit Abstand am meisten stolz in meinem Leben bin.“

Seit wann „hilft“ Facebook Menschen? Und dann sogar einer Milliarde Menschen? Welche Funktion auf Facebook ist neu oder gar von Bedeutung?

Na gut, was kann man also machen auf Facebook... Zum Beispiel Bilder uploaden! Welch Bereicherung für unsere Gesellschaft. Nun zeigen Facebook-Nutzer der anderen Milliarde Menschen ungemein interessante Schnappschüsse von sich selbst und anderen. Hierbei bekommt man als Außenstehender eine enorme Bandbreite an Schätzen der künstlerischen Fotografie zu bieten. Von spätpubertären Damen, die sich in lasziven Posen in Waldstücken oder anderen faszinierenden Landschaften selbst inszenieren und dieses Bild nach einer professionellen Photoshop-Bildbearbeitung mit einer stimmigen, oft englischsprachigen und ungemein philosophischen Weisheit (etwa: „You only live once, so do the best with your life!“) uploaden, bis hin zu Momentaufnahmen von sich anderweitig blamierenden Mitbürgern.

Wer Bilder nicht mag, kann auf Facebook jedoch auch einfach sein Leben protokollieren. Dank der tollen neuen Facebook-Chronik können die Aktivitäten eines Facebook-Nutzers sogar chronologisch zurückverfolgt werden. Was ich mich dabei nur immer wieder frage: Warum sollte ich mein Leben protokollieren, wenn ich nicht gerade eine Autobiografie plane? Und warum interessiert es sogar noch meine Mitmenschen? Muss man sich ernsthaft Gedanken um seine (Facebook-)Freunde machen? Da einige User dazu tendieren, „Freunde“ bis in den vierstelligen Bereich und weiter zu sammeln, hat zu allem Überfluss auch noch eine breite Masse trotz Privatsphäre-Einstellungen, die nur Freunden das Einsehen ermöglichen, Zugang zu diesen Inhalten.

Für schreibfaule User hat Mark Zuckerberg aber auch eine bequeme Lösung: Einfach „Gefällt mir“ drücken. Liken, liken, liken. Diese Funktion ist ebenfalls nicht neu, dennoch interessant: Man kann zwar stets zeigen, was man mag. Eine Dislike-Funktion gibt es jedoch nicht. Schade, sonst könnte man vermutlich Facebook oder gar den Facebook-Papst Mark Zuckerberg höchstpersönlich disliken.

Ebenso bequem ist es, andere Posts zu teilen. Aus Langeweile teilen die Freunde des Teilers das Geteilte nochmal und dessen Freunde tun es ihm gleich. Es entsteht (manchmal) eine Kettenreaktion der Teilung, wodurch sich bestimmte Inhalte unglaublich schnell verbreiten. Aber ist das wirklich immer sinnvoll? Gehen einem nervige Hype-Erscheinungen nicht irgendwann einfach nur noch auf die Nerven?

Man kann aber auch noch weiter gehen und Facebook-Seiten abonnieren, um ständig auf dem neusten Stand zu bleiben. Das wäre eigentlich ganz praktisch, wenn nicht vor allem große und beliebte Facebook-Seiten dazu tendieren würden, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu posten, um möglichst viele Likes abzugreifen.

Zwar gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten, Zuckerbergs Geniestreich zu genießen, beispielsweise Chatten, Anstupsen oder Farmville-Einladungen. Meine Erfahrungen während meiner Zeit als Gesichtsbuchler beschränken sich jedoch weitgehend auf die bereits genannten.

Was stört mich also an Facebook?

Es leistet keinen nennenswerten Beitrag zu unserer Gesellschaft. Wie ein Parasit labt sich diese „Errungenschaft“ an den Informationen über seine Anhänger. Deren Profile sind jedoch nicht hinsichtlich aufkommender Werbung mit Bedacht zu erstellen, denn sie machen den Ersteller nicht nur sichtbar für Facebook, sondern auch für mehr oder minder Außenstehende (je nach Privatsphäre-Einstellungen und Ausprägung der Freundesammelleidenschaft). Glücklicherweise beschränken sich die von mir beschriebenen, leicht zugespitzten Randerscheinungen auf einen vergleichsweise kleinen Teil der Nutzer, jedoch ist selbst dieser kleine Teil ein Teil, der kein Teil sein müsste und sollte.

Es ist definitiv nicht immer falsch, ein Profil von sich zu erstellen und auf sich aufmerksam zu machen und dadurch Kontakte zu knüpfen. Man sollte sich jedoch stets überlegen, wo, wie und wem man sich präsentiert.


Donnerstag, 23. Januar 2014


Niklas Götz


Welche politischen Ereignisse werden dieses Jahr die Welt prägen? Was wird uns beschäftigen? Ich werde ein paar Themen ins Auge fassen, die das politische Parkett 2014 in Atem halten werden – oder auch nicht. Ein kleiner Streifzug durch die Nebelwälder der Zukunft.

Dieter Schütz  / pixelio.de

Donnerstag, 21. November 2013

Luan Elster (Pseudonym)



Alexander Klaus  / pixelio.de


Ein PC in nahezu jedem Haushalt der ersten Welt, Highspeed Internet (naja, zumindest in großen Städten), das benutzer(un)freundlichste Betriebssystem aller Zeiten. Und social media en masse. Der perfekte Nährboden ist geschaffen. Und er wird besiedelt.

Laut einem Spiegel Online Artikel zählte Facebook als Paradebeispiel bereits am 14. September 2012 eine Milliarde Nutzer. Gründer Mark Zuckerberg verkündete dies – wer hätte damit gerechnet – mit einem Facebook-Eintrag: „Einer Milliarde Menschen zu helfen, ist unglaublich, es erfüllt einen mit Demut und es ist das, worauf ich mit Abstand am meisten stolz in meinem Leben bin.“

Seit wann „hilft“ Facebook Menschen? Und dann sogar einer Milliarde Menschen? Welche Funktion auf Facebook ist neu oder gar von Bedeutung?

Na gut, was kann man also machen auf Facebook... Zum Beispiel Bilder uploaden! Welch Bereicherung für unsere Gesellschaft. Nun zeigen Facebook-Nutzer der anderen Milliarde Menschen ungemein interessante Schnappschüsse von sich selbst und anderen. Hierbei bekommt man als Außenstehender eine enorme Bandbreite an Schätzen der künstlerischen Fotografie zu bieten. Von spätpubertären Damen, die sich in lasziven Posen in Waldstücken oder anderen faszinierenden Landschaften selbst inszenieren und dieses Bild nach einer professionellen Photoshop-Bildbearbeitung mit einer stimmigen, oft englischsprachigen und ungemein philosophischen Weisheit (etwa: „You only live once, so do the best with your life!“) uploaden, bis hin zu Momentaufnahmen von sich anderweitig blamierenden Mitbürgern.

Wer Bilder nicht mag, kann auf Facebook jedoch auch einfach sein Leben protokollieren. Dank der tollen neuen Facebook-Chronik können die Aktivitäten eines Facebook-Nutzers sogar chronologisch zurückverfolgt werden. Was ich mich dabei nur immer wieder frage: Warum sollte ich mein Leben protokollieren, wenn ich nicht gerade eine Autobiografie plane? Und warum interessiert es sogar noch meine Mitmenschen? Muss man sich ernsthaft Gedanken um seine (Facebook-)Freunde machen? Da einige User dazu tendieren, „Freunde“ bis in den vierstelligen Bereich und weiter zu sammeln, hat zu allem Überfluss auch noch eine breite Masse trotz Privatsphäre-Einstellungen, die nur Freunden das Einsehen ermöglichen, Zugang zu diesen Inhalten.

Für schreibfaule User hat Mark Zuckerberg aber auch eine bequeme Lösung: Einfach „Gefällt mir“ drücken. Liken, liken, liken. Diese Funktion ist ebenfalls nicht neu, dennoch interessant: Man kann zwar stets zeigen, was man mag. Eine Dislike-Funktion gibt es jedoch nicht. Schade, sonst könnte man vermutlich Facebook oder gar den Facebook-Papst Mark Zuckerberg höchstpersönlich disliken.

Ebenso bequem ist es, andere Posts zu teilen. Aus Langeweile teilen die Freunde des Teilers das Geteilte nochmal und dessen Freunde tun es ihm gleich. Es entsteht (manchmal) eine Kettenreaktion der Teilung, wodurch sich bestimmte Inhalte unglaublich schnell verbreiten. Aber ist das wirklich immer sinnvoll? Gehen einem nervige Hype-Erscheinungen nicht irgendwann einfach nur noch auf die Nerven?

Man kann aber auch noch weiter gehen und Facebook-Seiten abonnieren, um ständig auf dem neusten Stand zu bleiben. Das wäre eigentlich ganz praktisch, wenn nicht vor allem große und beliebte Facebook-Seiten dazu tendieren würden, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu posten, um möglichst viele Likes abzugreifen.

Zwar gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten, Zuckerbergs Geniestreich zu genießen, beispielsweise Chatten, Anstupsen oder Farmville-Einladungen. Meine Erfahrungen während meiner Zeit als Gesichtsbuchler beschränken sich jedoch weitgehend auf die bereits genannten.

Was stört mich also an Facebook?

Es leistet keinen nennenswerten Beitrag zu unserer Gesellschaft. Wie ein Parasit labt sich diese „Errungenschaft“ an den Informationen über seine Anhänger. Deren Profile sind jedoch nicht hinsichtlich aufkommender Werbung mit Bedacht zu erstellen, denn sie machen den Ersteller nicht nur sichtbar für Facebook, sondern auch für mehr oder minder Außenstehende (je nach Privatsphäre-Einstellungen und Ausprägung der Freundesammelleidenschaft). Glücklicherweise beschränken sich die von mir beschriebenen, leicht zugespitzten Randerscheinungen auf einen vergleichsweise kleinen Teil der Nutzer, jedoch ist selbst dieser kleine Teil ein Teil, der kein Teil sein müsste und sollte.

Es ist definitiv nicht immer falsch, ein Profil von sich zu erstellen und auf sich aufmerksam zu machen und dadurch Kontakte zu knüpfen. Man sollte sich jedoch stets überlegen, wo, wie und wem man sich präsentiert.


Dienstag, 15. Oktober 2013

Julian Reith


Griechenland 2012: Menschen versammeln sich in Massen auf der Straße. Pappfiguren Angela Merkels zeigen den Hitlergruß und haben eine Hakenkreuzbinde am Oberarm. Die jungen Leute verbrennen deutsche Flaggen.
Deutschalnd 2013: Peer Steinbrück, der Kanzlerkandidat der SPD bei der Bundestagswahl im Herbst 2013, äußert sich öffentlich negativ über den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten, indem er ihn mit einem Clown vergleicht. Ein geplantes Treffen in Italien wird daraufhin abgesagt.

Samstag, 12. Oktober 2013

Martin Lotter
Monatsthema 10/2013 

Kürzlich wurde das neue Videospiel GTA 5 auf den Markt gebracht. Spiele im Wert von mehr als 1 Mrd. USD wurden in den ersten 3 Tagen verkauft. Das ist ein neuer Rekord für ein Spiel dieser Art. Dies ist leider nicht die einzige Schlagzeile zu diesem Spiel. Denn über den Spielinhalt wird auch diskutiert: über die in dieser Version vorhandenen Folterszenen.
Der menschliche Spieler praktiziert im Laufe des Spieles mit seiner Spielfigur Folterungen an anderen Spielfiguren. Die Medien, Experten und vor allen Dingen Käufer fragen sich : müssen die Folterszenen in diesem Spiel sein ?
Zunächst ein paar Worte zum Spiel GTA5. Im Spiel – Grand Theft Auto 5, auf Deutsch in etwa „Großer Autodiebstahl“, schlüpft der Spieler in die Rolle eines Kriminellen. Die zu verübenden Straftaten können „harmlos“ wie ein Autodiebstahl sein. Man verübt Banküberfälle , hat Schießereien mit der Polizei und dergleichen. Man erlebt die „übliche“ Kriminalität, die man auch Sonntags im Tatort sieht.
Schlimm aber ist die 10 minütige Folteraufgabe, die der menschliche Spieler ab einer bestimmten Spielstufe zwingend an seinen künstlichen Spielfiguren „erledigen“ muss. Zu diesen Foltermethoden gehört Waterboarding, das Zertrümmern der Kniescheiben, Zähne ziehen oder Elektroschocks.
Warum haben die Spieleentwickler in der nun fünften Version des Spieles diesen Part eingebaut?
Eine mögliche Erklärungen könnte sein, dass Foltern als Spiel nicht mehr verpönt ist, nachdem auch das US-Militär bzw. die CIA im Irak gefoltert hat. Was die US-Regierung macht, kann auch in einem Videospiel nicht verboten sein. Eine weiterer Grund kann sein, dass die Spieleentwickler eine neue Stufe in der Spannungshierarchie benötigten. Nach den GTA Versionen 1-4 musste ein neuer Kick eingebaut werden. Die Folterszene ist ein zusätzlicher Kaufanreiz für erwartungsvolle Käufer.
Es kann aber auch sein, dass der Hersteller die Empörung in den Medien vorhergesehen und einkalkuliert hat. Auch schlechte Reklame ist Publicity. Wäre das der Fall, hätte man die Folterszene eingebaut, um zum Verkaufs-start viele Diskussionen in den Medien zu erzeugen.
Egal welches Argument – oder alle – richtig ist, bleibt die Frage: darf man spielerisch foltern, auch wenn es nur virtuell ist? Und welche Folgen hat das für die Psyche der Spieler?
Bekannt und nachgewiesen ist, dass so genannte „Ego-Shooter“ Spiele vereinzelt dazu führen, dass die jugendlichen Spieler in der Realität Verbrechen begehen, die sie im Spiel erlebt haben. Die Amokläufe in den Schulen von Erfurt und Winnenden sind Beispiele.
Was, wenn der nächste Amokläufer nicht „nur“ wild um sich schießt, sondern die Opfer – meist Mitschüler - foltert? Was, wenn Jugendliche die Anreize solcher Videospielen in der Praxis umsetzen ?
GTA5 ist sicher nicht der letzte Spielehersteller, der mit Folterungen eine weitere Hemm-schwelle überschritten hat.
Ich halte Folterszenen in Videospielen für überflüssig und falsch. Wie seht ihr das?

Montag, 2. September 2013

Niklas Götz

Das Medienereignis des Jahres, an dem wohl keiner vorbeikam - kritisch betrachtet, heiß serviert und mit einem Hauch Satire abgeschmeckt. Politik, Medien und Menschen waren hier miteinander vermengt und geschmort worden, wie Sie es erst wieder in vier Jahren kosten werden. Darum probieren Sie diesen Gruß aus der CATO-Küche - sie werden das Duell mit neuen Geschmacksnerven wahrnehmen. 

Samstag, 3. August 2013

Niklas Götz

Jeder kennt sie, manche hassen sie: AfD und Piraten. Ihr Aufstieg und ihr (bald vollständiger) Verfall waren rasant. Gerade deswegen gehören sie zu einer neuen und auch gefährlichen Art von Parteien: den Hype-Parteien. Hier werden sie charakterisiert und kritisiert.

CATOteam 2013
Ceterum censeo...