Sonntag, 26. Januar 2014

KW 4

Die Sonntagsbeilage zum Mitmachen. Mit Wort der Woche: Onlinepetition.


Wort der Woche:
Onlinepetition

Es gibt viele Arten von Moderartoren. Gute, schlechte, professionelle, inkompetente, seriöse, Unterhaltungszombies, Moderationsmaschinen und jene des Privatfernsehens. Markus Lanz hatte immer die Fähigkeit, diese Grenzen zu überschreiten. Seit jeher war er dafür bekannt, ein ganz eigenes Moderationsverhalten zu haben. Starr, immer nach den gleichen Regeln und mit immer der gleichen Haltung, Fragen und Gästen. Das hat ihn genauso bekannt gemacht, wie es ihm auch einen zweifelhaften Ruf brachte - legendär sind immer noch die Lanzfrage ebenso wie das Lanztrinkspiel. Bei seinen großen Aufgaben, wie der Rettung von "Wetten, dass...?" scheiterte er in den Augen der Öffentlichkeit kläglich.
Eine Herausforderung erhielt Lanz, als letzte Woche Sahra Wagenknecht zu Besuch war. Sie ist unerbitterlich in der Diskussion, weiß sie zu beherrschen und kann genauso gut kontern wie angreifen. Ihre zahlreichen Sptiznamen, wie "Rosa Luxemburg" oder "Madonna des Neokommunismus", sind legendär, ebenso wie das Phänomen, dass die meisten Sammlungen davon aus dem Internet verschwunden sind.
Lanz konnte gleich zu Beginn der Diskussion jedoch die Fiesesten wieder aufzählen. Daran schloss sich ein "Gespräch" an, welches eine anständige Kommunikationskultur missen ließ. Lanz unterbrach Wageenknecht, griff sie (natürlich verbal) an, provozierte Themenwechsel, jedoch stets zum gleichen Thema, weshalb sich die Diskussion im Kreis drehte, was er sofort wieder gegen Wagenknecht aufführte. Zahlreiche Zwischenfragen, welche eine peinlich schlechte Recherche andeuteten, schmückten das ganze aus. Hilfe bekam er auch von einen "Stern"-Journalisten.
Eine solche Moderationsleistung liegt selbst unterhalb von Lanz' Niveau, denn er ist durchaus im Stande, eine Diskussion konstruktiv zu führen, anstatt seine eigene politische Meinung durchscheinen zu lassen. Es bleibt fraglich, ob es eine Panikreaktion angesichts der an Eloquenz überlegenen Wagenknecht, eine politische Überzeugungstat, eine Quotensteigerungsmaßnahme, eine Lobbyaktion oder einfach ein persönlicher Fehler war.
All dies wäre wohl vergessen worden, hätte ein ehemaliges Parteimitglied der Linken nicht eine Onlinepetition gestartet, die Lanz zu Fall bringen will - der sich die zahlreichen Lanzgegner sowie Linkenmitglieder anschlossen. Jedenfalls kamen bis jetzt 180 000 Stimmen zusammen, woran sich eine panmediale Debatte anschloss, wer hier wen mobbt - Lanz Wagenknecht oder die Zuschauer Lanz. Antwort: beides. So wurde wie fast immer eine Fehlleistung Lanz' zu einem Schlachtfeld der Medienlandschaft.
Lanz hat sich mittlerweile bei Wagenknecht "entschuldigt" - die Anführungszeichen wollen sagen: er hat zwar Fehler eingestanden, hält es aber für richtig, als Moderator seine eigenen Meinung miteinzubringen. Anscheinend kennt er den Unterschied zwischen Moderator und Gast nicht.
Für alle, die sich eine eigenen Meinung bilden wollen (leider gibt es nur das Video der Antragssteller im Internet): 

 Niklas Götz










Kommentare:

  1. Freude: Janukowitsch geht auf die Demonstranten zu und ist zu großen Zugeständinissen bereit. Auch wenn die Opposition zu stolz war, auf das Angebot einzugehen, ist dies ein Zeichen dafür, dass sich die Fronten nicht verhärten und eine gewaltlose Lösung möglich ist.

    Ärger: 382.
    382 Nepalesen starben bisher für die WM 2022. Was tut die FIFA? Faire Arbeitsbedinungen fordern. Man konnte es bereits lange vorhersehen. Es ist ein grausiges Faktum, dass für die Belustigung einiger Millionen Fußballfans hunderte Menschen aus der Dritten Welt sterben müssen.
    Es ist ein positiver Effekt, wenn Menschen in Lohn und Brot gebracht werden - zu Tode schuften ist jedoch etwas, was in der modernen Welt nicht mehr vorkommen darf.

    Übrigens: Besonders satirisch wirkt obiges Video, wenn man beobachtet, wann das Publikum klatscht...

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  2. Ärger: die britische Hilfsorganisation Oxfam meldet eine erschreckende Zahl: die 85 reichsten Menschen der Welt haben zusammen so viel Vermögen wie die Hälfte der ärmsten Menschen auf der Erde ( immerhin 3,5 Mrd.)

    Freude: Die Zahl der in Bayern lebenden Menschen wird mehr. Jetzt sind es schon mehr als 12,5 Mio. Menschen die hier wohnen. Primär kommt das Wachstum durch Zuwanderung aus den anderen Bundesländern. Irgenwie müssen die anderen uns doch mögen.

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  3. Ich halte Onlinepetitionen für eine nützliche Sache. Bürger können bequem und schnell Ihre Haltung zu verschiedenen Themen kundtun.
    Ich denke durch Lanz ist diese Website nun erst richtig bekannt geworden. Das Werkzeug der Onlinepetition wird künftig öfters genutzt werden. Es wird den Meinungsbildungsprozess unterstützen und wirkt damit demokratiefördernd.

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    1. Das sicherlich.
      Aber es gibt ja schon bei dieser Petition den Verdacht, dass die Zahlen wie beim ADAC gefälscht sind - mit einem Proxy und einem Fantasienamen kann ich mich mehrmals zählen lassen...

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  4. Ärger : Die Rentenpläne der Bundesregierung stossen auf breite Ablehnung. Was mich besonders ärgert ist, dass die Maßnahmen nicht zukunftsorientiert sind, sondern nur die aktuellen Rentnergenerationen beglückt und damit schon positive Stimmung für die nächste Wahl gemacht werden soll. Jetzt melden sich auch Wissenschaftler zu Wort: Axel Börsch-Supan vom Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik sagte der „Bams“: „…. ... Die Suppe müssen die Jüngeren auslöffeln.“

    http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/rente/suppe-loeffeln-die-juengeren-aus-nahles-rente-kostet-jeden-buerger-jaehrlich-200-euro-mehr_id_3569839.html


    Freude: die erste Stadt in Deutschland hat eine Pferdesteuer eingeführt. Bad Sooden-Allendorf verlangt pro Pferd 200 €. Nur 200€ ? Wenn man die Größe der Pferdeäpfel und den Hundehäufchen und der Steuer für Hunde in Relation setzt, müssten die Pferdehalter mindestens 1000 Euro zahlen.

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  5. Ärger: Kim Jong-Un hat Schneeraupen stehlen lassen. Ein personifizierte Komödie mit niedrigem Niveau.

    Freude: Die AfD nimmt Lucke als Spitzenkandidat für die Europawahl. Angesichts dessen, dass man ihn in der Öffenlichkeit nicht mehr ernst nimmt, kann man sagen: Selbstzerstörungsmodus aktiviert!
    Ein Eigentor für die europäische Rechte.

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Ceterum censeo...