Sonntag, 26. Oktober 2014

 KW 43

Manche Menschen, manche Medien und manche Politiker denken, die Welt wäre ein Hollywoodstreifen. Im Moment sehr beliebt: "Outbreak". Bei all dieser Stilisierung gerät die Realität jedoch in den Hintergrund.

Wort der Woche: Pandemiepanik

Wir kennen es schon von der Vogelgrippe, der Schweingrippe und der Sprossenseuche (alias EHEC): einige wenige Fälle in Europa und die Medien verfallen in Endzeit-Stimmung. Bei relativ ungefährlichen Seuchen mit wenigen ernsten Fällen ließ sich noch manch Satiriker hinreißen, die allgemeine Hysterie zu belächeln. Doch bei Ebola kann man nicht mehr lachen. Nicht bei 4900 Toten.
Es ist schockierend, manche Äußerungen und Überlegungen zu hören, die allein auf die Gefahr für Europa fixiert sind, wenn man sich vorstellt, was in Afrika vor sich geht oder gar Berichte ließt. Immer und immer wieder wird nachgefragt, ob eine Gefahr für Deutsche besteht, anstatt zu diskutieren, ob es noch Hoffnung für ein Eindämmen der Seuche in Westafrika gibt.  Es erzeugt in mir Unverständnis, wenn stundenlang über wenige Infizierte in Spanien oder in den USA berichtet wird, aber 10 000 Infizierte in Afrika nur in Nebensätzen erwähnt werden. Ist ein Mensch in der westlichen Welt etwa mehr Wert?
In Afrika sind es einfache Menschen, die angesteckt wurden. Die Opfer in Krankenhäusern der Industriestaaten waren Ärzte und Krankenpfleger - dies ist ihr Berufsrisiko. Das macht es zwar nicht weniger dramatisch, aber dennoch ist es ein Unterschied - sie waren sich der Gefahr bewusst und sind sie freiwillig eingegangen.
Ebola ist seit über 40 Jahren bekannt - es musste aber erst eine ausgewachsene Epedemie ausbrechen, damit aus dem Nichts Impfstoffe und Geld für deren Verbreitung auftaucht. Endlich, nach Monaten des Wütens der Seuche, unzähligen Toten und Hilferufen läuft Hilfe an. Langsam wird Geld frei, auch wenn mit ihm gleich wieder Beschwerden kommen, wer die Hilfe bezahlen soll. Interessant ist immer noch das Verhalten der Verteidigungsministerin, die ja für mehr Verantwortung Deutschlands in der Welt plädierte. Die Bundeswehr hat zahlreiche Militärärzte, und sie sucht Freiwillige für Hilfe in Afrika. 
Warum sucht sie keine Freiwilligen für die restlichen Einsätze der Bundeswehr? Vermutlich weil man Soldaten Befehle geben kann. Warum auch nicht den Militärärzten, die ja ebenfalls Soldaten sind? Ist es denn mehr von einem Soldaten verlangt, zu helfen, anstatt mit der Waffe zu dienen?
Ungeschlagen bleibt allerdings mit Abstand folgender Kommentar der AfD-Politikerin Petra Ferdau: "Wir holen uns nicht nur die Religionskriege, sondern auch alle Krankheiten der Welt ins Land!"
 Niklas Götz

Und was war euer Ärger und Freude der Woche? 

Kommentare:

  1. Ich vermute mal die Verteidigungsministerin kann einem Soldaten nicht befehlen in Liberia Ebola zu bekämpfen. Denn die Soldaten haben auch so etwas wie einen Arbeitsvertrag. Und dort steht: die Bundesrepublik militätisch zu verteidigen. Medizinische Einsätze sind kein Krieg. Einem Arzt in einem Kreiskrankenhaus kann man auch nicht nach Afrika schicken. Sein Arbeitsvertrag ist auf den Standort und jeweilige Fachgebiet ausgelegt. So ist es auch in der Bundeswehr. Man kann die Soldaten nicht zwingen irgendwo irgendwas zu machen. Sie haben das Recht gemäß ihrem Arbeitsvertrag eingesetzt zu werden. Also für militärische Zwecke welche der Bundestag abgesegnet hat. Von der Leyen muss also Freiwillige werben (oder Ebola zum Kriegsgegen erklären - was auch der Bundestag machen müsste...)

    AntwortenLöschen
  2. Freude:
    immer mehr Menschen kämpfen gegen TTIP. Nun schließen sich Künstler und Gewerkschafter dem Widerstand an.

    Not in my name. Junge Muslime kämpfen auf Youtube gegen Terrororganisationen wie ISIS
    http://www.focus.de/politik/videos/notinmyname-nicht-in-meinem-namen-junge-muslime-starten-kampagne-gegen-den-is-terror_id_4160793.html


    Der Vorschlag der Saarländischen Ministerpräsidentin die Anzahl der Bundesländer zu reduzieren. Das spart Verwaltungskosten. Alleine Köln hat mehr Einwohner als das Saarland und Bremen. Trotzdem ist Köln kein Bundesland. Die Region Franken hat mehr Einwohner als MVP, oder Thüringen. Und Franken ist auch kein Bundesland. Fusionen machen Sinn.


    Ärger:
    Der Bahnstreik durch GDL und die Pilotenstreik durch Cockpit. In beiden Fällen sind die Streik unangemessen. Piloten verdienen sowieso genug. Mit 55 in Rente gehen bei mehr als 200.000 € Gehalt. Das ist Jammern auf hohem Niveau. Da Und bei der GDL geht es nicht um mehr Gehalt oder Sozialleistungen sondern um gewerkschaftsintere Interessen. So kann man Streikrecht auch missbrauchen.


    Jeder Spieler der Fußballnationalmannschaft erhält für die Teilnahme an der WM bzw. den Sieg 300.000€.

    AntwortenLöschen
  3. Freude:
    Die Ukraine hat sich bei den Wahlen eindeutig für Europa entschieden.

    Ärger:
    Die Demonstration in Köln hat einmal mehr gezeigt, dass die importierten Krisen in Deutschland zunehmen werden. Konflikte zwischen Kurden und Türken, zwischen Salafisten und Rechten, oder vor nicht all zu langer Zeit zwischen Serben und Bosniern.

    AntwortenLöschen

CATOteam 2013
Ceterum censeo...