Sonntag, 12. Oktober 2014

KW 41
Was war Deutschland nicht schon alles - Papst, Weltmeister, Exportmeister. Dies war alles genug für eine euphorische Bildschlagzeile, manchmal sogar für Fanmeilen - weniger Aufmerksamkeit erlangt da eine ganz andere Meldung...

Wort der Woche: Wir sind Nobelpreis

 
Warum bricht in Deutschland keine allgemeine Euphorie aus, keine Autokorsos und kein ARD-Brennpunkt, wenn ein Deutscher den Nobelpreis erhält? Natürlich kann man sich über die Legitimation solcher Aktionen im Allgemein streiten - doch abgesehen davon handelt es sich um einen vergleichbaren Fall. Wo ist der Unterschied bei der Ernennung eines Deutschen zum Papst, dem höchsten Amt der katholischen Kirche, und der Verleihung des Nobelpreises, dem höchsten Preis der Wissenschaft, an einen Deutschen?
Man kann natürlich versuchen, dies damit zu begründen, dass es jährlich die Verleihung dieses Preises gibt, während Päpste eher sehr unregelmäßig ernannnt werden. Doch die zweijährige Fußballeuphorie beweist, dass das gesellschaftliche Gedächtnis sehr schnell vergisst.
Ich vermute, der Grund liegt darin, dass vielen die enorme Bedeutung der wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht bewusst ist, welche auf diese Weise geehrt werden. Dies liegt natürlich einerseits an der enormen Komplexität der behandelten Konzepte. Andererseits scheint es aber auch kein öffentliches Bemühen darum zu geben, diese Fortschritte allgemeinversändlich zu machen - Ausnahmefälle wie das Konzept des Higgs-Felds bestätigen die Annahme, dass es auch anders möglich ist.
Wer meint, die Wissenschaft wäre auf abgehobenen Konzepten unterwegs und leistet kaum Beitrag zum Alltagsleben, irrt sich. Der Physik-Nobelpreis dieses Jahres wird für die Entwicklung der blauen LEDs verliehen, ein Innovation, die bereits in vielen Bereichen des Alltags anzutreffen ist. Der Chemie-Nobelpreis, welcher unter anderem nach Deutschland geht, wurde zwar mit einer zumindest sprachlich schwieriger darzustellenden Entwicklung errungen (ultrahochauflößende Fluoreszenzmikroskopie mittels unterdrückter Leuchtemission), die jedoch für das Leben der Menschen eine entscheidende Rolle spielen wird - mittels extrem feiner Lichtmikroskopie wird es möglich sein, die Prozesse in Zellen viel besser zu verstehen und so zahlreiche Krankheiten zu heilen.
Niklas Götz

Was war euer Ärger und Freude der Woche? 

Kommentare:

  1. Freude:

    Die deutschen sind insgesamt glücklich. Das zeigt der Glücksatlas. Wie immer die Statisik auch zustande kommt, und was man auch immer unter Glück verstehen mag. Es ist ein gutes Ergebnis.

    http://www.n-tv.de/panorama/Deutschland-lebt-im-Glueck-article13746966.html


    Ärger:

    • Der Bund der Steuerzahler gibt regelmäßig sein Schwarzbuch der größten Verschwendungen von Steuergeldern heraus. Hier kann man einige nachlesen:

    • http://www.schwarzbuch.de/schwarzbuch/alle_faelle
    http://www.schwarzbuch.de/schwarzbuch/top-ten


    Ärger:

    Die Türkei unterstützt nicht nur aktiv die ISIS in dem sie toleriert dass ISIS Kämpfer über Ihr Territorium nach Syrien einreisen können oder Nachschub bekommen. Nein sie behindert auch aktiv die Selbstverteidigung der Kurden in der Region. Sie lässt nicht zu, dass über türkisches Territorium Kurden aus der Region nach Kobane kommen um Ihre Landsleute zu unterstützen. Das ist menschenverachtend. Nach dem Völkermord an den Armeniern sieht muss sich die Türkei fragen lassen, ob sie eines zweite Völkermordes- wenn auch diesmal eines indirekten – angeklagt werden will.
    Alleine schon deshalb : Die Türkei darf nicht Mitglied der EU werden.

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  2. Es gibt wohl viele Antworten auf die Frage warum WIR nicht Nobelpreis sind.

    Zum einen ist es so, dass unsere Medien daran gemessen werden wie viele Zuschauer oder Leser sie haben. Als Jürgen Kliensmann Trainer beim FC Bayern wurde hat die ARD sofort einen „Brennpunkt“ gesendet. Fußball schafft Zuschauer. Chemie eben nicht ( Es sei denn ein Chemieunfall…). Das ist traurig, aber war.
    Die übliche Medienschelte ist aber zu kurz gegriffen. Die Wissenschaftler selbst müssen sich die Frage stellen was sie denn tun um sich selbst interessant zu machen. Welcher Wissenschaftler kommt schon freiwillig aus seinem Elfenbeinturm und erklärt der Welt was er tut. Es gibt Harald Lesch – wen noch? Sie forschen für sich, ihre Institution aber die Außenkommunikation beschränkt sich auf Kongresse mit Ihresgleichen.
    Bedauerlicherweise haben es die Wissenschaftler aber auch nicht nötig in die Öffentlichkeit zu gehen. Sie bekommen sowieso Geld für ihre Forschung. Wenn überhaupt müssen sie für sich selbst und ihre Sache bei den Ministerien oder ggfs. bei Firmen werben. Aber nicht in der Öffentlichkeit. Das ist im Fußball anders. Ohne Fernsehgelder wäre die Bundesliga pleite. Deshalb müssen sie Ihre Sache vermarkten und gehen aktiv auf die Medien zu. Sie liefern den Medien sogar gezielte und gut aufbereitete „Stories“ über ihr Business. Welche Story und an wen liefert ein Chemieprofessor?
    Selbst die Kirche macht für sich „Werbung“. Vielleicht nicht im klassischen Sinn. Aber jeder Gottesdienst, jede Wallfahrt oder Prozession ist ein Stück Marketing für die eigene Sache. Dazu kommen christliche Radiosender, Zeitschriften und Fernsehsender. Selbst die Autos der Caritas tragen Werbeaufschriften. Und die Papstwahl (und der Tod des bisherigen Papst) wird sowieso medienwirksam inszeniert.
    Wo bleibt die Eigenwerbung der Forschungseinrichtungen. Wie viele der Bundesbürger können mit den Begriffen Max-Planck Gesellschaft oder Fraunhofer-Institut etwas anfangen? Eigenwerbung wäre aber möglich. Beispiele liefern dafür die amerikanischen Universitäten. Sie benötigen private Spenden und setzen deshalb ihre Spitzenwissenschaftleraktiv für das Marketing ein.
    Ein anderes Thema ist natürlich die Komplexität der Sache. Fußball verstehen die meisten Menschen. Selbst die Abseitsregel ist mittlerweile den meisten verständlich. Und über Religion glaubt auch jeder mitreden zu können. Eine Papstwahl ist nicht schwer zu verstehen. Aber die Spitzenforschung bzw. Grundlagenforschung ist nun mal meilenweit von der Vorstellungskraft des einfachen Bürger (und der Journalisten) weg. Das Higgs-Teilchen wird auch gern als „Gottesteilchen“ bezeichnet. Warum wohl – weil es hilft die Materie zu verstehen.
    Was kann die Lösung sein? Wissenschaften benötigen Marketing. Sie müssen sich selbst interessant für die Medien und die Bürger machen. Sie benötigen Superstars wie im Fußball oder in der Musik. Sie müssen heraus aus Ihren Insiderzirkeln und das kommunizieren und leicht verständlich aber attraktiv vermitteln was sie tun. Das wiederum schafft auch die Grundlage für Nachwuchs in den MINT-Fächern die unser Land benötigt. Wissenschaftskommunikation ist ein Thema das in unserem Land unterschätzt wird. Und das, obwohl wir in der Forschung weltweit mit an der Spitze sind. „Tue etwas Gutes und sprich darüber“ lautet ein Grundsatz in der Werbung. Daran fehlt es gewaltig. Deshalb werden WIR auch weiterhin nicht Nobelpreis sein. Auch wenn wir es verdient hätten.

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  3. Freude:

    Die Entscheidung des Nobel-Komitee: es ist in vielerlei Hinsicht eine sehr sehr gute Entscheidung
    - Es werden Menschen geehrt die sich um Kindeswohl kümmern
    - Es werden 2 Menschen aus sich immer noch feindlich gegenüberstehenden Ländern und Religionen geehrt
    - Mit Malala wird eine junge Frau geehrt, die genau das Gegenteil von dem repräsentiert was Taliban oder ISIS wollen.


    Freude:

    Nach einer Umfrage bewerten 75% der Ostdeutschen die Einheit als insgesamt positiv. Für 96% der jungen Ostdeutschen überwiegen die Vorteile die Nachteile.


    Ärger:

    Die ISIS tötet in Ihrem Machtbereich gebildete Frauen wie Ärztinnen oder Rechtsanwältinnen. Kinder – Küche - Kirche: Mehr braucht eine Frau aus Sicht der ISIS nicht. Keine Bildung, keine eigene Meinung, nicht berufstätig sein, nicht außer Haus gehen. Das Mittelalter scheinbar nur ein paar Flugstunden entfernt…


    Ärger:

    China ist nunmehr der größte C02 Produzent der Welt. Einer der Hauptverursache ist die Kohleverbrennung. China alleine hat seinen Kohleverbrauch in den letzten 12 Jahren von 1,5 auf 4,3 Mrd. Tonnen p.a. gesteigert. Die restliche Welt insgesamt dagegen nur von 3.8 auf 4.3 Mrd. Tonnen.
    Auch pro Kopf ist China vorne. Ein Chinese produziert statistisch pro Jahr 7,2 Tonnen Cos. Ein Europäer nur 6,8 Tonnen. Der Trend in Europa ist bereits rückläufig, in China weiter steigend.

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