Sonntag, 9. November 2014

KW 45

Das Streikrecht gilt als eine der größten Errungenschaften moderner Gesellschaften, insbesondere der Sozialen Marktwirtschaft. Ziel ist es, einen Interessenausgleich zwischen Arbeiterschaft und Unternehmern zu finden. Doch dieses Grundrecht, ohne staatliche Einmischung zu agieren, kann auch überstrapaziert werden.

 Wort der Woche: Arbeitskampf

 Deutschland war lange Zeit bekannt für seine verlässlichen Gewerkschaften, die - anders als zum Beispiel in Frankreich - ihre Möglichkeiten nicht gänzlich auskosten und im Sinne des ganzen Landes auf Konsens setzen, um Ausfälle und wirtschaftliche Einbußen zu vermeiden.
Natürlich ist allen bewusst, dass manche Berufsbereiche mehr Einfluss haben als andere. Während solche Angestellten, die bei ver.di eingetragen sind, oft kaum bis zu einem Streik kommen, da sich ver.di nicht ständig auf Arbeitskampf einlässt, oder auch nicht immer essentielle Rollen für ihr Unternehmen haben und damit nur wenig Druck ausüben können, gibt es auch Kleingewerkschaften für Berufssparten, die für unsere Wirtschaft und damit für die Unternehmen überlebenswichtig sind. 
Diese Kleingewerkschaften haben eine große Macht, und wir sehen im Moment, was passiert, wenn sie sie auskosten. Die GDL geht weit über konventionellen Streik hinaus, es geht ihr nicht mehr um Lohn oder Arbeitsbedingungen - es scheint vielmehr, als hätte die Spitze der Gewerkschaft den Wunsch nach mehr Macht, den Wunsch nach einem größerem "Terretorium", als wolle sie einen wirklichen Arbeits"kampf". 
Was daran verwundert, ist, dass die Lokführer sich dafür ausnutzen lassen. Es sollte ihnen bewusst sein, dass die Bahn weit auf die GDL zugegangen ist und es zahlreiche Lösungsvorschläge gibt. Nun auch noch die Schlichtung abzulehnen, ist quasi eine Kriegserklärung.
Hier wird das Streikrecht ganz klar über die Maßen strapaziert. Sollte dies zur Blaupause für weitere Arbeitsfeldzüge werden, ist das Konzept der Gewerkschaft in Deutschland in Gefahr, denn sie verliert somit ihre Vertrauenswürdigkeit, ihr Ansehen in der Gesellschaft und damit auch ihren Schutz durch sie. Die GDL muss sich wieder besinnen, oder sie gefährdet sich und ihresgleichen.
Niklas Götz

Und was war euer Ärger und Freude der Woche? 

Kommentare:

  1. Freude:

    Die Rede des Bundespräsidenten im Bericht aus Bonn: ein Highlight der Woche. Selten wurde die Freude über die Deutsche Einheit so positiv beschrieben.

    http://www.ardmediathek.de/tv/Bericht-aus-Berlin/Sendung?documentId=340982&bcastId=340982

    Ärger:

    „Wahlen“ in der Ostukraine: Warum sprechen sogar die deutschen Medien von „Wahlen . Was war dabei frei, geheim und gleich? Manipulierte Alibi-Abstimmung mit vorher feststehendem Ergebnis wäre ein angemessener Begriff.

    Eine Iranerin ist zu einem Jahr Haft verurteilt worden weil sie eine Sportveranstaltung mit Männern besucht hat.

    Bei den Zwischenwahlen in Amerika wurden mit der „Denkzettellogik“ erklärt. Man will den Regierenden einen Denkzettel verpassen. Ähnliches kennen wir von Landtagswahlen in Deutschland. Was ist das für ein Demokratieverständnis.

    AntwortenLöschen
  2. Ich möchte noch einen Schritt weiter gehen:

    Die GDL gefährdet nicht nur sich und die ihren. Sie gefährdet den Standort Deutschland und damit unser aller Wohlergehen. Es gibt den schönen Satz: „Das Kapital ist ein scheues Reh.“.
    Gemeint ist : wenn Arbeitgeber – also die Kapitaleigner – und damit jene welche entscheiden wo eine Fabrik gebaut wird und Arbeitsplätze geschaffen werden durch Streik verschreckt werden dann werden sie die Fabriken dort bauen wo gesellschaftlicher Konsens herrscht. Es gibt viele Standorte an denen maßvoll oder nicht gestreikt wird. Deutschland war bisher solch ein Standort. Nun ist unser Ruf in Gefahr. Wenige tausend Lokführer können dafür sorgen, dass keine Chemiefabriken still stehen weil die Rohstoffe nicht mehr per Bahn geliefert werden oder Autofabriken ruhen weil die Komponenten fehlen. Das kann nicht sein. In China darf man nicht streiken, in Japan wird fast nie gestreikt. Setzt die GDL ihren überzogenen und unsolidarischen Streik fort, wird die nächste Fabrik eben dort gebaut. Die Arbeitgeber haben die Wahl wo sie ihre Fabriken bauen. Wir Arbeitnehmer nicht.

    AntwortenLöschen
  3. Freude:
    Das „Ermittlungsverfahren“ wegen Volksverhetzung gegen Dieter Nuhr wurde eingestellt. Ein radikaler Moslem hatte gegen die Satire von Nuhr geklagt und ist nun gescheitert.

    Ärger:
    Der Nürburgring in Rheinland-Pfalz wurde erst mit Steuergeldern finanziert, ging dann Pleite und wird nun an einen russischen Oligarchen verkauft.

    AntwortenLöschen

CATOteam 2013
Ceterum censeo...