Sonntag, 9. Februar 2014

KW 6

Vorerst wieder vom Stammschreiber, kehrt das Wort der Woche wieder zu seinem Lieblingsthema zurück: die großen Schanden der Außenpolitik.

Wort der Woche: "Fuck the EU"

Manchmal gibt es auch so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit in der Außenpolitik. Das beste Beispiel ist auch das jüngste: eine US-Diplomatin telefoniert mit dem US-Botschafter in der Ukraine, klagt darüber, dass die EU viel zu weichlich in diesem Land agiere, beschimpft die Union, woraufhin ihr Gesprächspartner ihr zustimmt - und bei all dem wird sie abgehört. Findige Russen stellen das ganze ins Internet. So schnell haben die USA wieder einen Skandal. DIe EU hingegen hat eine Antwort auf den naiven Glauben, die USA wären wirklich ihre Verbündeten. Das ganze war wohl kein Einzelfall, ist aber auf jeden Fall ein Zeugnis für die Außenpolitik der EU. Auch wenn Ashton, da stimme ich Merkel zu, einen guten Job leistet, muss ich hinzufügen: im Rahmen ihrer Möglichkeiten.
Eine wirkliche Außenpolitik der EU existiert nicht, dazu sind die Nationalstaaten noch zu stark. Es wird Zeit, dass sich die EU in solchen Fragen von den Mitgliedsstaaten emanzipiert. Wie sollte ein härterer Kurs gegen Janukowitsch und Putin möglich sein, wenn jeder der Mitgliedsstaaten mitreden will? Das erinnert an den Ausspruch von Kissinger: "Wen muss ich anrufen, wenn ich mit Europa sprechen möchte?". Heute wissen wir die Antwort: Merkel, Hollande und Cameron. 
Interessant ist auch, dass Russland nun nicht nur zurückspioniert, sondern auch ganz bewusst das Netz für Propaganda nutzt. Ein guter Schachzug, den so kann man die EU und die USA weiter spalten. Gleichzeitig zeigt dies auch, dass man es sich in Russland nicht mehr zutraut, beide gleichzeitig zu Kontrahenten zu haben. Ob man aber auf diese Weise wirklich von den eigenen Vergehen ablenken kann, halte ich für fraglich.
Am Ende dieser Woche können wir uns notieren: Trau niemanden, den du nicht selbst aushorchst.
Niklas Götz   

Kommentare:

  1. Ärger: Ein Abteilungsleiter im Thüringer Umweltministerium hat sich aus erster Hand mit der Natur in Botswana beschäftigt - bei einer Elefantenjagd. Da er nicht einsehen wollte, dass die grundsätzliche Legalität dieser Handlung in Botswana nicht deren Ausführung, erst recht nicht als Mitarbeiter in einem Umweltministerium, legitimiert, wurde er in eine untergeordnete Position versetzt.

    Freude: Der ARD DeutschlandTrend (http://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend2150.html) ergab: Die Mehrheit der Deutschen ist gegen Olympia in Sotschi. Ein gutes Zeichen, den es zeigt, dass die Bürger eben doch nicht sensationssüchtig und blind für die Missstände in Russland sind.
    Auch interessant: "Mutti" ist zum ersten Mal seit langen nicht mehr auf Platz 1 der beliebtesten Politiker.

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  2. Ärger :Sozialministerin Nahles plant für die milliardenteure Rentenreform nun auch noch eine Werbekampagne. Wozu das ? Die Rentner bekommen die höhere Rente und den früheren Renteneintritt vollautomatisch. Warum muss man das noch an Litfasssäulen bewerben ? Oder ist das etwa eine verdeckte Werbekampagne für Nahles selbst ….???

    Freude: man kann ja von den halbprofessionellen Wahlplakaten mancher Wählerliste halten was man will. Und auch die Masse der Wahlplakate an den Strassen und Plätzen sind nicht gerade eine Augenweide. Aber trotzdem ist es gut, dass sich so viele Menschen als Kandidaten für die Kommunalparlamente zur Verfügung stellen. Das ist echte Demokratie.

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  3. Im Grunde kann man diese amerikanische Diplomatin ja verstehen. Europa ist im Vergleich zu den USA ein Haufen kleiner außenpolitischer Zwerge. Da nützt auch die Einrichtung einer „EU-Außenbeauftragten“ Asthon nichts. Schade um das Kerosin das sie verbraucht. Letztendlich ist sie machtlos.
    Außenpolitik in den USA oder Russland ist effizient und wirkungsvoll. Wenige Personen entscheiden und haben die Mittel (Geld , Waffen) um Entscheidungen umzusetzen. In Europa gibt es divergierende Interessen , wenig Waffen und noch weniger Geld.
    Ich wette, Cameron, Hollande und Merkel stimmen innerlich der Aussage von Nuland Aussage zu. Nur öffentlich dürfen sie das nicht sagen, auch nicht am Telefon..

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  4. Freude: Das die NSA gemerkt haben, dass sie nicht die einzigen Horcher im Netz sind :-)

    Ärger: Der Qualitätsjournalismus einiger Lokalzeitungen, denen es wohl mehr um Skandal als Wahrheit geht. (Keine näheren Ausführungen an dieser Stelle, aber demnächst schreib ich mal einen Artikel dazu.)

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  5. Freude: Edward Snowden wird schriftlich vor dem EU-Parlament aussagen. Eine neue Hoffnung im Kampf gegen die Abhörpolitik der USA.

    Ärger: Die Schweiz driftet nach rechts. In einer basisdemokratischen Abstimmung will sie die Zuwanderung stoppen - mit der Folge, dass sie durch diese Verletzung der Freizügigkeit den Stand als Partner der EU verlieren könnte.

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  6. ich schreib auch mal was:

    Ärger: warum regen sich so viele Leute über die „Stromtrassen“ auf. Da werden doch ganz normale Stromleitungen gebaut. Wir haben doch schon Stromleitungen und die bestehenden stören uns doch auch nicht. Warum jetzt plötzlich diese Hysterie?

    Freude: Die Polizei geht massiv geben Einbrecher in Unterfranken vor ( siehe Mainpost) Wir lebten hier bisher in einer Gesellschaft und nahezu feri von Kriminalität. Jeder hat des anderen Eigentum geachtet. Das soll so bleiben. Leider gibt es osteuropäische EU-Bürger die durch Einbrüche unser friedliches und sicheres Leben stören. Ich hoffe die Polizei ist erfolgreich.


    PS: in gewisser weise verstehe die Schweizer. Bei 25 % Ausländeranteil verändert sich das Land. DAvor haben die Schweizer Angst. Primär die Landbevölkerung hat gegen Zuwanderung gestimmt.

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  7. Endlich mal eine Interessante Interpretation der Thematik "Ärger und Freude der Woche". Werde mir jetzt auch die anderen Blogposts durchlesen ;). Meine eigene Webseite und Blog zum Thema [Backlink] ist vielleicht auch interessant für dich oder deine Leser. Schach online

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    1. Vielen Dank für die Blumen! Bin mir sicher, dass viele unserer Leser gerne Schach spielen!

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