Dienstag, 1. Juli 2014

Monatsthema 7/14

Eine Frage, so alt wie die Menschheit selbst: Wie hat sich der Mensch zum Tier zu verhalten: Kollegial und gleichberechtigt oder ausbeuterisch und dominant? Angesichts des wissenschaftlichen Fortschritts stellt sich auch die Frage: Was ist Tier und was Mensch? Und wie wirkt sich das auf die Beziehung zwischen beiden aus?

Marianne J.  / pixelio.de

Die Fragestellung geht aber noch weiter, denn wir haben es hier mit einem ethischen Problem zu tun - wie bei jeder ethischen Fragestellung gibt es zahlreiche Antworten, und es ist naiv zu denken, es wäre ein globaler und zeitloser Konsens möglich.
Die neuste Entwicklung im Bereich der Tierethik ist das Buch der Philosophin Hilal Sezgin "Artgerecht ist nur die Freiheit", in dem sie zahlreiche Entwürfe von tierethischen Positionen darstellt und daraufhin den vielleicht radikal erscheinenden, aber rational logisch und einleuchtend begründeten Ansatz postuliert, dass der Umgang mit den Tieren stets im Hinblick auf das freie Tier zu bewerten sei.

Aber auch eien rein menschliche Ethik, in der Tiere ja oft als Objekte und nicht als moralisch relevante Subjekte betrachtet werden, fordert den heutigen Menschen heraus: Wie lässt sich begründen, dass zwar einem Hund oft keine Würde zugerechnet wird, dennoch große Summen für eine tierärztliche Behandlung ausgegeben wird, welche auch an leidende, würdebesitzenden Menschen in aller Welt gespendet werden könnte? Warum haben Scheichs Saunen für Kamele, versklaven aber dennoch Nepalesen?

Dies zeigt die ambivalente Beziehung des Menschen zum Tier: Einerseits ist es ein Objekt, ein Nutztier, dem keine/kaum Rechte und Würde zugerechnet werden. Gleichzeitig werden aber Haustiere vermenschlicht, sind wichtige Bezugspersonen und für den Besitzer auf einer Stufe mit ihm selbst.

Viele - wenn auch nicht alle - Entwicklungen der Natur- und Geisteswissenschaften machen dies noch komplexer. Immer häufiger fragt man, wo noch der Unterschied zwischen Mensch und Tier sei. Ist der Unterschied zwischen einem Delfin und einem Salamander vielleicht größer als der zwischen einem Menschen und einer Mastsau? Hat sich dies nicht auch auf unsere Ethik auszuwirken? Und wo darf man die Grenze zwischen jenen Tieren, die in den Tierschutz fallen, ziehen? Darf man wirbellosen, aber dennoch empfindungsfähigen Tieren wirklich Leid zufügen, nur weil sie uns weniger ähnlich sind als Wirbeltiere? Sind Pflanzen nicht auch Leben und verdienen sie nicht auch Schutz?

Die Entwicklung im Verhältnis zwischen Mensch und Tier in der Weltgeschichte, aber auch in verschiedenen Kulturen und Religionen ist sehr ergiebig. CATO fragt euch diesen Monat nach eurer Meinung einer richtigen Tierethik oder einer angemessenen Gesetzesgebung, aber auch nach euren Betrachtungen zur wechselvollen Geschichte dieser Beziehung oder nach euren Analysen aktueller Geschehnisse in diesem Bereich (z.B. den Aufschrei um die Giraffe "Marius" oder eure Haltung zu mehr oder minder provokanten Thesen verschiedener Autoren und Organisationen).

Wir freuen uns auf eure Texte oder eure Meinung in den Kommentaren!

Kommentare:

  1. Meiner Meinung nach ist das primär steuernde Element im Verhältnis von Mensch zum Tier der Egoismus und der Nutzentrieb des Menschen.
    Habe ich einen wie immer gearteten Vorteil durch das Tier oder mit Ihm dann bedeutet es mir etwas. Wenn nicht, dann ist dem Menschen das Tier egal.
    Beispiel Jäger: Er hegt und pflegt seinen Jagdhund. Er gibt viel Geld für Training und Futter aus, erschießt aber gleichzeitig den Hund gleicher Rasse eines anderen Menschen wenn dieser Hund in seinem Revier wildert.
    Beispiel Landwirt: Er züchtet und füttert seine Schweine, sorgt für einen klimatisiert Stall, holt einen Tierarzt bei gesundheitlichen Problemen seiner Nutztiere. Aber gleichzeitig gönnt er den Wildscheinen keinen einzigen Maiskolben von seinem Acker.
    Pferdezüchter investieren in Dressurpferde Unsummen (der Hengst Totilas kostete 10 Mio €) um das eigene Ego zu pflegen. Dressurreiter wollen Wettbewerbe und Weltmeisterschaften gewinnen. Gleichzeitig interessiert sie das Schicksal von Arbeitspferden in der Landwirtschaft überhaupt nicht.
    Nun kann man nicht behaupten dass alle Menschen eine Ignoranz für das Schicksal von Tieren zeigen zu denen Sie keinen Bezug oder von denen sie keinen Nutzen haben. Sicher empfinden Menschen dann noch etwas für Tiere wenn sie direkt mit dem Schicksal konfrontiert sind. Für Hühner in Käfighaltung in der direkten Nachbarschaft interessieren wir uns wohl, aber die gleiche Hühnerfarm in Sibirien ist trotzdem egal.
    Im Einzelfall mag es noch Idealisten geben denen Tiere mehr bedeuten als anderen Menschen. Gemeint sind damit Tierschützer, egal ob Idealisten oder Militante. Aber das sind Minderheiten. Menschen engagieren sich für eine bestimmte Sachen. Manche engagieren sich in Parteien, andere bei Attac oder beim ADAC und mache eben im Tierschutzverein.
    Im Grunde ist auch im einleitenden Artikel diese These zu finden. Haustiere werden „vermenschlicht“ was nichts anderes bedeutet dass einsame Menschen einen Ersatz für einen fehlenden Menschen benötigen. Gerade bei älteren Menschen welche einen Partner durch Tod verloren haben findet man dieses Phänomen. Was anderes steckt dahinter als der Eigennutz nicht alleine zu sein ?

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  2. Das sind Fälle, in denen dem Tier kein Recht zukommt, in dem sie Sachen bleiben.
    Dennoch stellt sich die Frage, ob Tiere nicht mehr sind als Sachen. Tiere haben Wahrnehmungen, können denken und fühlen. Der Mensch hat das erkannt; sollte er seine Beziehung zum Tier nicht deshalb ändern?

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