Sonntag, 27. Juli 2014

KW 30

In einigen Monaten wird sich die Nachrichtenlage wieder vollständig geändert haben, niemand wird mehr über Änderungen von Flugrouten debattieren - einzig ein Hinweis im Wirtschaftsteil erinnert daran, für wie gefährlich die Menschen das Fliegen kurzzeitig hielten.

Wort der Woche: Angsthype


Jahrzehntelang überquerten Flugzeuge mit bequemen Sitzen und einer breiten Auswahl an Speisen und Getränken Gegenden, in denen Krieg, Hunger und Schrecken herrschten. Dies war den Passagieren relativ egal, solange der Flieger nur rechtzeitig am Ziel ankommt. Das, was am Boden zwischen Start- und Zielflughafen vor sich geht, war lange irrelevant - bis zum Abschuss von MH17.
Plötzlich kommt es zu einer Berührung zwischen der Ersten Welt, dessen Exklave das Flugzeug ist, und der Dritten Welt am Boden darunter. Es wird den Menschen zumindest zeitweise klar, dass das Leid nur wenige Kilometer unter ihnen stattfindet und sie somit auch unmittelbar tangieren kann.
Natürlich ist der Abschuss von MH17 ein seltener Zwischenfall, eine Reihung von unwahrscheinlichen Ereignissen, doch gerade deshalb hält er die Welt in Atem. Kaum jemand hätte sich vorstellen können, dass so etwas passiert, gerade weil niemand realisiert hat, wie nah Flugreisende doch dem kommen, was sie sonst nur aus den Nachrichten kennen.
Nun, da der Schrecken tief sitzt, wird jede neue Flugzeugkatastrophe, die sich ja schon fast auffällig häufen, medial stilisiert. Vor kurzer Zeit noch hätte niemand gemutmaßt, über Mali könnte ein Flugzeug abgeschossen werden. Mittlerweile ist dies die erste Assoziation.
Der gewaltsame Tod, den die Menschen über der Ostukraine gefunden haben, hat das Gefühl der Sicherheit erschüttert. Jede weitere Katastrophe rennt offene Türen ein. Das mediale Gedächtnis ist kurz, aber lebhaft. Was wirklich an diesem Tag geschah, rückt angesichts von Trauer und Angst in den Hintergrund. Die Schuldigen stehen für die meisten sowieso schon fest, ebenso, wie dass viele Menschen für einige Wochen Flugzeuge meiden werden.
Niklas Götz

Was war euer Ärger und Freude der Woche? 

Kommentare:

  1. Freude: Endlich werden auch die Geheimdienstchefs Russlands in die Sanktionen miteinbezogen. Diese Form der Sanktionen sind fast risikolos und treffsicher, wenn auch eher symbolisch.
    Wirtschaftssanktionen hingegen sind effektiv, schaden aber auch dem Anwender.

    Ärger: Die Ausbreitung des Ebola-Virus scheint nur schwer aufhaltbar zu sein, denn er ist nun auch in Nigeria angekommen. Dort wie ihn Guinea herrscht Misstrauen gegen die Eindämmungsmaßnahmen, stattdessen vertraut man auf traditionelle Kulte.
    Zwar ist die Kultur der Bevölkerung natürlich zu respektieren, hier jedoch entwickelt sie sich zu einem Risikofaktor.

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  2. Freude :
    Die EU hat beschlossen den Stromverbrauch bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Durch wirkliche Umsetzung dieser Forderung könnte der Umwelt viel geholfen werden. Es bleibt jedoch zu hoffen das dieses Ziel auch eingehalten wird.
    Ärger :
    Auch in Libyen gehen - genauso wie in der Ukraine und im Gazastreifen und Israel- die politischen Unruhen weiter. Verschiedene teils politisch radikal ausgerichtete Gruppen versuchen seit 2011 gewaltvoll die Macht in dem Land an sich zu reissen. Jetzt haben die USA aufgrund neuer Kämpfe sogar ihren Botschafter aus Libyen abgezogen. Wohin wird dieser Konflikt wohl noch führen ?

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  3. nur Ärger

    Die Bundesregierung hat beschlossen, dass Bafög im Jahr 2016 um 7 % zu erhöhen. Das hört sich zunächst gut an. Aber das ist die erste Erhöhung seit 2010. Wenn man bedenkt, dass die Inflation seit 2010im Durchschnitt jährlich mindestens bei 2% war ist da noch nicht mal ein Inflationsausgleich. Wenn man weiterhin bedenkt, dass ein Großteil der Ausgaben der Studenten die Miete und Nebenkosten sind, und diese in Uni-Städten sogar überproportional gestiegen sind dann sind 7% lachhaft. Nein, unverschämt.

    Wegen des Nahost-Konfliktes kommt es in vielen Ländern Europas zu Demonstrationen. Auch in Deutschland. Leider wird nicht nur gegen die Politik Israels demonstriert sondern im Windschatten dieser Demos auch offenen Antisemitismus ausgedrückt. Auffällig ist dass wesentliche Teile der Demonstranten islamische Migranten sind. Heribert Prantl von der SZ sieht hier europaweite Integrationsdefizite.

    Hannah Arendt meinte einst: vor Antisemitismus ist man nur auf dem Mond sicher.
    Leider ist das schon wieder oder immer noch so…

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  4. Freude: wenig, bis auf eine Meldung - Wikipedia hat aufgrund von "Online-Vandalismus" sämtliche Änderungen, die von Computern des US-Kongresses kommen, für 10 Tage gesperrt :D
    http://www.bbc.com/news/technology-28481876

    Ärger: In Gaza wird weitergeschossen. Beide Seiten zeigen hier meiner Meinung nach Fehlverhalten. Die Hamas demonstriert ihre Unwillenheit zum Frieden durch den Bruch des von ihnen selbst ausgerufenen Waffenstillstand. Israel hingegen sollte sich mal Gedanken machen, ob es nicht vielleicht ein bisschen zu viel Gewalt anwendet - auch wenn ich ihr Bedürfnis nach nationaler Sicherheit vollkommen nachvollziehen kann, sind 1000 Tote doch ziemlich viele.

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    1. Eine Freude hatte ich vergessen: Christen weltweit ändern ihr Facebook-Profilphoto in ein arabisches "N" (für Nazarener=Christ) um, um auf die brutale Christenverfolgung durch die ISIS aufmerksam zu machen und Solidarität zu zeigen.

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