Donnerstag, 1. Mai 2014

Patricia Groß
Wettbewerbsbeitrag - Jugend denkt Europa

„Die Europäische Union ist ein Zusammenschluss demokratischer, europäischer Länder, die sich der Wahrung des Friedens und des Wohlstandes verschrieben haben.“

„Europa ist eine lose Verbindung von Staaten, die sich nur zum wirtschaftlichen Vorteil zusammengeschlossen haben.“

„Europa ist ein politischer Staatenbund, welcher im Jahr 1993 als Europäische Union (EU) entstanden ist.“


Gibt man das Wort „Europäische Union“ in einer Suchmaschine ein, fallen einem über zwei Millionen Treffer, die in ihren Definitionen verschiedene Standpunkte darlegen, in die Hände. Die oben genannten Zitate sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Meer von Informationen. Doch was ist für mich Europa? Seien wir ehrlich: Wer macht sich schon Gedanken über sein Dasein als Europäer. In ein paar Tagen werden sich, das ist vorrausehbar, abermals nur wenige auf den Weg zur Wahlurne machen. Kaum einer nimmt sich bewusst als Teil der Union wahr, erst wenn man mit leuchtenden Augen vor dem Eifelturm steht und ein Souvenir problemlos mit dem Euro zahlen kann, werden einem die Vorteile der EU vor Augen geführt. Durch die gemeinsame Währung entsteht außerdem eine europäische Identität. Dieses Gemeinschaftsgefühl habe ich selbst schon durch einen Austausch mit Frankreich erfahren dürfen. Wegen der vielen Gemeinsamkeiten fühlte man sich gleich wie Zuhause und der große Kulturschock blieb aus. Solch ein Austausch wäre noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen. Meine Oma bezeichnet Frankreich heute noch als den Staatsfeind Nummer Eins. War man früher umgeben von Feindesland, ist es für uns heute selbstverständlich seinen Urlaub bei den ehemaligen Kriegsgegnern zu verbringen.

Aber das sind noch lange nicht alle Vorzüge. Durch das Wegfallen der Grenzen ist noch vieles mehr einfacher geworden: Innerhalb der EU können wir Menschen uns frei bewegen, lange Kontrollen gehören der Vergangenheit an. Doch diesen Reisegenuss nehmen wir als selbstverständlich wahr und meckern noch, wenn man sich zwei Minuten Zeit für eine Routinepasskontrolle nehmen muss. Dabei gibt es viele, die mehr Kontrollen fordern, da wegen der Auflösung der Grenzen der illegale Handel wie zum Beispiel Drogenschmuggel um ein Vielfaches leichter geworden wäre.

Bei den Überlegungen für diesen Kommentar bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass der folgende Aspekt für junge Menschen der wohl relevanteste ist: die Anerkennung der Berufsabschlüsse. Wer träumt nicht davon, für längere Zeit aus seinem gewohnten Umfeld auszureißen und in einem anderen Land neue Erfahrungen zu sammeln? Diesem Abenteuer steht die Frage im Weg, ob der hier erlernte Beruf auch im Ausland anerkannt wird. Um seine Auslandspläne zu realisieren hat die EU bereits Richtlinien getroffen nach denen die Berufe, die im Ablauf der Ausbildung nicht wesentlich anders sind als im Gastland, anerkannt werden. Eine völlige Harmonisierung der Ausbildungssysteme konnte jedoch nicht in die Tat umgesetzt werden, da dem europäischen Parlament dafür die Gesetzgebungskompetenz fehlt.

Unser Hauptanliegen wäre daher die Verbesserung der Transparenz der EU-Regelungen über die Anerkennung der Berufsabschlüsse. Das wäre dann wenigstens ein Hindernis weniger, wo doch sowieso schon ein Haufen von Papierkram, der viel Zeit in Anspruch nimmt, auf einen zukommt.

Wie ich sonst die EU-Zukunft sehe? Schwierig zu sagen. Der Zusammenhalt dieser Union mit knapp einer halben Milliarde Menschen muss durch neue Konzepte gestärkt werden, damit ihre Einheit nicht brüchig wird. Dafür schlage ich eine Brieffreundschaft zwischen Jugendlichen zweier Mitgliedsländer vor. Das stelle ich mir so vor. Jeder der Lust hat schickt seine Adresse an eine Zentrale, die dann die Adresse eines anderen Jugendlichen aus der EU zurücksendet. So können sich Freundschaften entwickeln und Vorurteile abgebaut werden, mit dem Ziel ein geeintes Europa zu kreieren. Daraus leitet sich meine persönliche Definition der EU ab:

Für mich ist Europa eine große Freundschaft, in der man sich gegenseitig unterstützt und in der jeder Einzelne, der Teil dieser Gemeinschaft ist, eine gleichwertige Stimme hat.

Damit wäre es dann auch bis zu einer gemeinsamen europäischen Sprache nicht mehr weit. :) 

Kommentare:

  1. "Für mich ist Europa eine große Freundschaft, in der man sich gegenseitig unterstützt und in der jeder Einzelne, der Teil dieser Gemeinschaft ist, eine gleichwertige Stimme hat."

    Eine wunderbare Definition von Europa, die es Wert ist, dass man sie umzusetzen versucht. Leider ist es nicht die, die die momentane Situation am besten beschreibt.
    Um die jetzige Situation zu ändern, da stimme ich dir zu, braucht es neue Konzepte. Deine Vorschläge können da sicher einen Beitrag leisten.

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    1. @Niklas: da stimm ich dir zu.

      Die gemeinsame europäische Sprache aus dem letzten Absatz würde ich jedoch eher kritisch beurteilen. Schließlich heißt es nicht umsonst "Einheit in Vielfalt" statt "Einheit durch Gleichschaltung".

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    2. Gemeinsame Sprache ist keine Gleichschaltung (übrigens ungünstiges Wort im Deutschen).
      Die alten Sprachen hätten sicher noch eine lebendige Kultur, wenn man sie nicht verdrängt und sie stattdessen schützt.

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