Donnerstag, 21. November 2013

Luan Elster (Pseudonym)



Alexander Klaus  / pixelio.de


Ein PC in nahezu jedem Haushalt der ersten Welt, Highspeed Internet (naja, zumindest in großen Städten), das benutzer(un)freundlichste Betriebssystem aller Zeiten. Und social media en masse. Der perfekte Nährboden ist geschaffen. Und er wird besiedelt.

Laut einem Spiegel Online Artikel zählte Facebook als Paradebeispiel bereits am 14. September 2012 eine Milliarde Nutzer. Gründer Mark Zuckerberg verkündete dies – wer hätte damit gerechnet – mit einem Facebook-Eintrag: „Einer Milliarde Menschen zu helfen, ist unglaublich, es erfüllt einen mit Demut und es ist das, worauf ich mit Abstand am meisten stolz in meinem Leben bin.“

Seit wann „hilft“ Facebook Menschen? Und dann sogar einer Milliarde Menschen? Welche Funktion auf Facebook ist neu oder gar von Bedeutung?

Na gut, was kann man also machen auf Facebook... Zum Beispiel Bilder uploaden! Welch Bereicherung für unsere Gesellschaft. Nun zeigen Facebook-Nutzer der anderen Milliarde Menschen ungemein interessante Schnappschüsse von sich selbst und anderen. Hierbei bekommt man als Außenstehender eine enorme Bandbreite an Schätzen der künstlerischen Fotografie zu bieten. Von spätpubertären Damen, die sich in lasziven Posen in Waldstücken oder anderen faszinierenden Landschaften selbst inszenieren und dieses Bild nach einer professionellen Photoshop-Bildbearbeitung mit einer stimmigen, oft englischsprachigen und ungemein philosophischen Weisheit (etwa: „You only live once, so do the best with your life!“) uploaden, bis hin zu Momentaufnahmen von sich anderweitig blamierenden Mitbürgern.

Wer Bilder nicht mag, kann auf Facebook jedoch auch einfach sein Leben protokollieren. Dank der tollen neuen Facebook-Chronik können die Aktivitäten eines Facebook-Nutzers sogar chronologisch zurückverfolgt werden. Was ich mich dabei nur immer wieder frage: Warum sollte ich mein Leben protokollieren, wenn ich nicht gerade eine Autobiografie plane? Und warum interessiert es sogar noch meine Mitmenschen? Muss man sich ernsthaft Gedanken um seine (Facebook-)Freunde machen? Da einige User dazu tendieren, „Freunde“ bis in den vierstelligen Bereich und weiter zu sammeln, hat zu allem Überfluss auch noch eine breite Masse trotz Privatsphäre-Einstellungen, die nur Freunden das Einsehen ermöglichen, Zugang zu diesen Inhalten.

Für schreibfaule User hat Mark Zuckerberg aber auch eine bequeme Lösung: Einfach „Gefällt mir“ drücken. Liken, liken, liken. Diese Funktion ist ebenfalls nicht neu, dennoch interessant: Man kann zwar stets zeigen, was man mag. Eine Dislike-Funktion gibt es jedoch nicht. Schade, sonst könnte man vermutlich Facebook oder gar den Facebook-Papst Mark Zuckerberg höchstpersönlich disliken.

Ebenso bequem ist es, andere Posts zu teilen. Aus Langeweile teilen die Freunde des Teilers das Geteilte nochmal und dessen Freunde tun es ihm gleich. Es entsteht (manchmal) eine Kettenreaktion der Teilung, wodurch sich bestimmte Inhalte unglaublich schnell verbreiten. Aber ist das wirklich immer sinnvoll? Gehen einem nervige Hype-Erscheinungen nicht irgendwann einfach nur noch auf die Nerven?

Man kann aber auch noch weiter gehen und Facebook-Seiten abonnieren, um ständig auf dem neusten Stand zu bleiben. Das wäre eigentlich ganz praktisch, wenn nicht vor allem große und beliebte Facebook-Seiten dazu tendieren würden, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu posten, um möglichst viele Likes abzugreifen.

Zwar gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten, Zuckerbergs Geniestreich zu genießen, beispielsweise Chatten, Anstupsen oder Farmville-Einladungen. Meine Erfahrungen während meiner Zeit als Gesichtsbuchler beschränken sich jedoch weitgehend auf die bereits genannten.

Was stört mich also an Facebook?

Es leistet keinen nennenswerten Beitrag zu unserer Gesellschaft. Wie ein Parasit labt sich diese „Errungenschaft“ an den Informationen über seine Anhänger. Deren Profile sind jedoch nicht hinsichtlich aufkommender Werbung mit Bedacht zu erstellen, denn sie machen den Ersteller nicht nur sichtbar für Facebook, sondern auch für mehr oder minder Außenstehende (je nach Privatsphäre-Einstellungen und Ausprägung der Freundesammelleidenschaft). Glücklicherweise beschränken sich die von mir beschriebenen, leicht zugespitzten Randerscheinungen auf einen vergleichsweise kleinen Teil der Nutzer, jedoch ist selbst dieser kleine Teil ein Teil, der kein Teil sein müsste und sollte.

Es ist definitiv nicht immer falsch, ein Profil von sich zu erstellen und auf sich aufmerksam zu machen und dadurch Kontakte zu knüpfen. Man sollte sich jedoch stets überlegen, wo, wie und wem man sich präsentiert.


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Kommentare:

  1. "Welche Funktion auf Facebook ist neu oder gar von Bedeutung?"

    Neu sind wenige, von Bedeutung schon eher welche. Facebook vereinigt erstmals eine Bandbreite sozialer Internetfunktionen auf einer einzigen, benutzerfreundlichen Plattform. Darin, und in seiner Universalität, liegt seine Bedeutung.

    Dass du Recht hast mit deiner Kritik will ich in den allermeisten Punkten gar nicht abstreiten. Wie viel Schrott auf FB rumfliegt, weiß jeder Nutzer zu Genüge. (Allerdings sollte man deinen vorletzten Absatz fett unterstreichen: nicht jeder Nutzer ist so.) Nichtsdestotrotz finde ich, dass die Vorteile von Facebook immer noch überwiegen.

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  2. Was soll ich sagen, Luan?
    Ich kann dir eigentlich nur zustimmen. Facebook ist eine Plattform, die wenig neues bietet, nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und damit viele Leute versammelt hat. Genau davon lebt Facebook: Fast jeder ist dabei (außer ich! :) )

    Ansonsten würde die Weißwesten-Variante Diaspora ja viel besser ankommen!

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  3. an dieser Stelle wäre doch klare Kante eher angezeigt und keine vorsichtige "anonyme" Zurückhaltung: für mich gehört FB zu der immer größer werdenden Gruppe von asozialen Netzwerken, die sich in extrem negativer Form kapitalistischer Mechanismen bedienen, ihren ferngesteuerten Mitgliedern jedoch Harmlosigkeit und eitles Wohlgefühl vorgaukeln.

    Mehr Aufklärung, auch und gerade hier, dürfte zur Vermeidung von "Jugendsünden" einen sinnvollen Beitrag leisten.
    Man sollte sich auch nicht naserümpfend auf den Prekariats-Standpunkt zurückziehen, FB sei die BILD der Netzwerke, und bei deren Konsumenten sei ohnehin Hopfen und Malz verloren.

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    1. Ich denke man kann nicht sagen dass Luan sich vorsichtig zurückhält - ich denke der Text ist eine gute Mischung aus Besonnenheit und Kritik.
      Auch nimmt er Abstand vom Prekariatsstandpunkt - er verallgemeinert schließlich nicht und gibt nicht den Nutzern allein die Schuld.

      Wobei ja gerade die Leute, die Teil des Netzwerks sind, seine fragwürdigen Methoden dadurch Unterstützen und durch ihre Bestätigung das nach außenhin aalglatte Image fördern.

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  4. Luan, du schreibst :
    Es ist definitiv nicht immer falsch, ein Profil von sich zu erstellen und auf sich aufmerksam zu machen und dadurch Kontakte zu knüpfen. Man sollte sich jedoch stets überlegen, wo, wie und wem man sich präsentiert.

    Wenn es nicht falsch ist ein Profil zu erstellen, dann meine Frage: Was nutzt es mir?
    Ich bin nicht bei FB und habe den Nachteil noch nicht erkannt. Man könnte einwenden, ich werde weniger kontaktiert. Gut, wenn man mich kontaktieren will muss man den herkömmlichen Weg per Telefon oder email nutzen. Verliere ich aber „Freunde“ wenn mich die bequemen Mitmenschen nur über FB kontaktieren wollen ? Definitiv nicht. Wer mit mir befreundet sein will wir mich auch ohne FB kontaktieren.
    Auch bei der Aufmerksamkeit mache ich ein Fragezeichen. Aufmerksamkeit hat einen Zweck. Wer ist meine Zielgruppe. Arbeitgeber suchen nicht in FB nach Mitarbeitern. Dafür gibt es Xing usw. Wem will ich dann imponieren, evtl. dem anderen Geschlecht? Wer sich oberflächlich für mich interessiert, wird evtl. bei FB nach mir suchen. Für die wirklich Interessierten ist ein persönlicher Kontakt sowieso notwendig. Vor FB konnte man auch Kontakte knüpfen und auf sich aufmerksam machen.
    Aufmerksamkeit kann auch negative Wirkung haben. Was ist, wenn meine vielen Kontakte ein schlechtes Licht auf mich werfen. Ich werde dann automatisch in einer Spezies zugeordnet welche ich gar nicht angehören will. Stell Dir vor, Du bist in FB verbandelt mit dem NSU-Trio. Früher waren die ja mal normal. Wenn die dich als „Freude“ hatten und du sie, dann ist das auch eine Form von Aufmerksamkeit.

    Deinen allerletzten Satz kann ich begrüßen:
    Man sollte sich jedoch stets überlegen, wo, wie und mit wem man sich präsentiert.
    Die Frage welche ich mich bisher gestellt habe war immer: Was nutzt es mir bei FB zu sein. Und ich habe bisher kein schlagendes Argument dafür gefunden drin zu sein

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    1. Die Nützlichkeit eines digitalen sozialen Netzwerks wächst mit der Breite (soziologisch und geographisch gesehen) des eigenen "realen" sozialen Netzwerks. Wer immer mit den selben Kumpels zusammen ist, wird Facebook eher weniger brauchen. Wer hingegen verschiedene, große Freundesgruppen hat, die überdies noch sehr weit verstreut sind, der wird Facebooks Kommunikationsmöglichkeiten sehr zu schätzen lernen. (Hier rede ich aus eigener Erfahrung.)

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    2. Jedoch könnte man sich in diesem Fall auch bemühen - und das sollte ja kein Problem sein, man ist ja schließlich befreundet - alternative lösungen zu finden.
      Auch wenn ich hier wieder mit Diaspora komme (ist vielleicht nervig, aber diese Alternative wird ständig ignoriert): Das wären die Vorteile von Facebook ohne die Nachteile.
      Und wenn du sowieso nur mit "echten" Freunden kommunizieren willst, ist die geringe Größe von Diaspora kaum ein Problem.
      Außerdem: Wie viele Nutzer von Facebook haben wirklich einen "echten" Freundeskreis mit solch einer Ausdehnung (was meinst du eigentlich mit soziologischer Breite? Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen du meinst dass du Freunde in zahlreichen verschiedenen gesellschaftlichen Klassen hast).

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    3. Warum alternative Lösungen suchen, wenn es eine einfache, allseits bekannte und kostenlose schon gibt? Diaspora hört sich zwar gut an, ist aber viel zu unbekannt (ich habe auch erst jetzt durch dich von erfahren).
      Mit soziologischer Breite meine ich verschiedene, nicht miteinander verknüpfte Freundeskreise. Wer beispielsweise mal umgezogen ist, wird mindestens zwei getrennte Freundeskreise haben: in seiner alten und in der neuen Heimat. Wer außerhalb von Schule (oder Arbeit) noch andere Kontaktpunkte hat (Sportverein, Kirche, ...), wird noch mehr verschiedene Freundeskreise haben. Leute mit mehreren solchen Freundeskreisen gibt es zu genüge - es langt ja schon, wenn man innerhalb Deutschlands zum Studieren wegzieht.

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    4. Warum Elektroautos, obwohl normale billiger, einfacher und überall verfügbar sind? Obwohl Diaspora eigentlich wirklich das selbe nur von ehrenamtlichen Entwicklern ist.
      Der einzige Unterschied ist, dass man seinen Freundeskreis auch erst noch auf Diaspora einladen muss.
      Aber daran sind die Nutzer von Google+ auch nicht gescheitert.

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  5. FB erinnert mich an die Milliarden Schmeißfliegen, die sich nicht irren können.

    Auch der inflationäre verwendete Begriff "Freund" verliert bei FB jede Bedeutung, ja, eigentlich ist FB die Inkarnation eines gescheiterten "sozialen" Netzwerkes, dass lediglich der egoistischen Befriedigung eines Aufreißers von Frauen für den schnellen Sex seine Entstehung verdankt.

    Die Gier des selbsternannten Gründers (der seinen "Partner" auf wenig soziale Weise ausgebootet hat) verlagerte sich inzwischen auf Finanzkapitalismus, und das wird FB letztendlich auch zum Verhängnis werden.

    Für mich überwiegen bei FB ganz eindeutig die Nachteile, ich kann nur dazu raten, erst gar nicht beizutreten, und falls aus naiver Unkenntnis geschehen, schnellstens den Account zu löschen, zumindest den Versuch zu machen, denn nicht einmal das ist bei FB real möglich: alle Daten bleiben gespeichert, die Löschung nur vorgetäuscht.

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    1. Das rate ich auch jedem, bei dem es nicht unbedingt notwendig ist.

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  6. Diese Diskussion passt ganz gut zum Monatsthema Oktober
    Homo technologicus
    @Forenboy: ich gebe Dir recht. FB ist ein Wirtschaftsunternehmen und tut alles um Geld zu verdienen. Es stellt ein Werkzeug zur Verfügung um den Menschen das Leben einfacher zu machen. So kannDaniel Vedder nun mit seinen Freunden weltweit einfacher kommunizieren kann.
    Der Preis dafür ist, dass FB Informationen über Daniel und seine Freunde hat. Bei vielen FB-Nutzern sind diese Informationen belanglos. Aber für FB besteht die Chance dass die Informationen mehr und damit für FB lukrativer werden. Früher oder später hat FB ein Profil von jedem seiner Mitglieder und kann gezielt Werbung schalten oder die Informationen sonst wie vermarkten, oder der NSA zur Verfügung stellen. Der Vergleich hinkt aber ich möchte ihn trotzdem bringen. Selbst wenn man nur belanglose Informationen auf FB austauscht, so ist das wie eine Einstiegsdroge. Alleine da man den ersten Schritt gemacht hat, und dann regelmäßig damit arbeitet, also kommuniziert schafft eine Abhängigkeit. Welche Chance hat man auch auszusteigen wenn alle anderen Freunde noch dabei sind?

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    1. Ich bin überrascht, dass die NSA nicht früher ins Spiel gebracht wurde...
      Natürlich ist die Privatsphäre ein großes Thema bei der FB Nutzung, über das man sich auf jeden Fall Gedanken machen sollte. Letztendlich muss man sich Entscheiden, ob es einem das Wert ist, und wenn ja, wie viel Informationen man preisgibt. Schließlich zwingt einen keiner, seinen Tagesablauf im Fünfminutentakt zu posten, auch wenn manche dem gerne frönen. Den Drogenvergleich finde ich übertrieben, auch wenn er ein Körnchen Wahrheit bergen mag.

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    2. Wobei FB Wege findet, mehr Informationen zu erhalten, als wir selbst preisgeben. Man bedenke Cookies, Tracker und die geschickte Interpretation von Daten.

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  7. Welt vom Montag:
    Bonität wird über soziale Medien geprüft
    Die Firma Kreditech aus Hamburg vergibt Kredite unter der Bedingung, dass der Kreditnehmer bereit ist, sein „digitales Ich“ offenzulegen. AufDeutsch: Zugriff auf soziale Netzwerke usw. zu genehmigen.
    Es gibt 8000 Kriterien welche vor Kreditvergabe geprüft werden. Darunter sind Facebook und Twittereinträge, ebenso die Follower oder „Freunde“ auf FB.Einen Textanalyse analysiert den Inhalt von Postings nach Formulierungen wie „Saufparty“. Zudem wird das Ausdrucksvermögen bewertet und nach Rechtschreibfehlern gesucht. In die Kreditentscheidung fließt auch ein was ich online z.B. bei Amazon gekauft habe.Am Ende der Prüfung welche nur wenige Minuten dauert wird ein Score erstellt der die Kreditwürdigkeit festlegt. Basierend darauf wird dann der Kredit vergeben oder nicht. Die Firma Kreditech arbeitet noch nicht in Deutschland aber in Polen und Tschechien.

    .Was bedeutet das für uns: Man muss keinen Kredit bei dieser Firma beantragen, aber warum sollte nicht auch die Sparkasse mal eben mein Facebookaccount prüfen bevor sie mir einen Kredit gibt.
    und v.a.D. erst denken,dann posten

    http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article122207294/Kreditinstitute-pruefen-Kunden-bei-Facebook-und-Co.html

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    1. Ein sehr guter - und sehr schockierender - Beitrag!

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  8. ich lege noch einen schockierenden Beitrag nach:

    Facebook speichert auch die Posts welche man nicht gesendet hat.

    Wer kennt das nicht: man tippt eine Mail und denkt dann: na ja, lieber doch nicht senden. Ich hätte angenommen diese Sätze würden gelöscht werden. Weit gefehlt. Facebook speichert auch das was eingetippt, aber niemals gesendet wurde. Wie viele der 1 Mrd. Facebook-Nutzer wissen das? 0,1% oder weniger.



    http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article123009534/Facebook-speichert-auch-was-Nutzer-nicht-posten.html

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