Sonntag, 3. August 2014

KW 31

Nachdem die Finanz- und Schuldenkrise in Europa langsam überwunden scheint und kaum noch jemand nach Ratingagenturen fragt, scheint es fast so, als würde es sie gar nicht mehr geben. In Wirklichkeit haben sie sich nur ein anderes Ziel gesucht.

Wort der Woche: Geier

2001 war Argentinien pleite. Die legendäre Wirtschaftspolitik des Landes ist stark umstritten, verschreckt sie doch ausländische Investoren und gilt als Hauptursache für Arbeitslosigkeit und geringe Staatseinnahmen. Um jedoch die Zurückzahlung der Schulden zu ermöglichen und damit ein Totalverlust bei den Gläubigern zu vermeiden wie auch die Liquidität Argentiniens zu erhalten, einigte man sich auf ein Finanztrick: Argentinien tauscht seine Schulden zu hohen Zinsen gegen solche mit niedrigen Zinsen, wodurch die Schuldenmenge insgesamt sinkt, ohne einzelne Gläubiger zu stark zu belasten.
Allerdings stimmtem dem nicht alle Gläubiger zu. Jahrelang weigerte sich Argentinien, mit diesen Gläubigern zu verhandeln. Nun jedoch wäre eine Einigung genau mit diesen Hedgefonds notwendig gewesen, um die Pleite zu verhindern.
Die Hedgefonds gehen lieber auf Risiko und hoffen auf direkte oder indirekte Weise an die die versprochenen Summen zu kommen. Argentinien hingegen ist in einer schwachen Position: Würde es den Hedgefonds die Schulden mit vollen Zinsen zurückzahlen, wäre dies eine Mehrbelastung von 1,5 Milliarden Euro. Jedoch hätten dann auch alle andere Gläubiger das Recht auf volle Zinsen. Dadurch würden die Schulden in einem Schlag um eine dreistellige Milliardensumme steigen.
So blieb Argentinien aufgrund der Sturheit der Hedgefonds, vom argentinischen Finanzminister als "Geier" bezeichnet, nichts anderes als die Pleite übrig. Auch die Ratingagenturen stürzten sich auf das Land und nennen es eine Zahlungsunfähigkeit. Dieser Einschätzung widerspricht Argentinien - einerseits zahle es ja letztendlich die Schulden zurück, andererseits sind die Ratingagenturen alles andere als neutral.
Letztendlich bringt die Gier der "Geier" niemanden voran. Durch die Pleite wird Argentinien erneut in seiner Entwicklung behindert, ein wirtschaftlicher Aufschwung nachhaltig verhindert. Dennoch ist die Schuld nicht alleine bei den Finanzmärkten zu suchen - das Land hätte mehr auf seinen Haushalt achten müssen.
Niklas Götz    


Was war euer Ärger und Freude der Woche?

Kommentare:

  1. Ärger:
    Dummheit ohne Ende: Erdogans Vize Bülent ist noch peinlicher als sein Chef. Er möchte dass Türkinnen weniger lachen und mehr den Koran lesen. Und solche Politiker bestimmen die Zukunft der EU – und damit auch unsere – wenn die Türkei in die EU ist!!

    http://www.focus.de/politik/ausland/retter-der-tugendhaftigkeit-erdogans-vize-will-tuerkinnen-das-lachen-verbieten_id_4023240.html

    Peinlich ohne Ende: Putin verbietet als Reaktion auf europäische Sanktionen die Einfuhr von polnischen Äpfeln. Wie peinlich ist das denn? Witzig: in Polen kommt es zu einer breiten Kampagne in den sozialen Medien für heimische Äpfel.
    (www.n-tv.de) .
    Frage: Wo kann man eigentlich in Deutschland polnische Äpfel kaufen?

    Gier ohne Ende: Big Bang Theory. Die 3 Hauptdarsteller streiken weil sie nur 245.000 USD bekommen – und das je Folge. Sie wollen angeblich 1 Mio. USD pro Folge.

    Freude:

    Viele Demos gegen Antisemitismus. Zum Beispiel in Paris oder Nürnberg

    http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/gegen-antisemitismus-gegen-hass-kundgebung-in-nurnberg-1.3802966

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  2. Ärger: Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat den Auftrag, die juristischen Möglichkeiten in der Bearbeitung befindlicher Gesetzesvorgaben zu prüfen. Dies ist notwendig, um verfassungs- oder europarechtliche Konflikte zu vermeiden.
    Normalerweise hält man sich an den Rat des wissenschaftlichen Dienstes, schließlich arbeiten dort Experten. Bei Prestigeprojekten wie der Ausländermaut wird aber das entsprechende Ministerium bei Kritik etwas ungehalten.

    Freude: Das Gesetz gegen Homosexualität in Uganda wurde gekippt. Die offensichtlichen undemokratischen Beschlussprozesse verstoßen gegen die Verfassung.
    Leider ändert dies wenig an der homophoben Haltung der Bevölkerung.

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  3. Freude: Zum ersten Mal in der neueren Geschichte Amerikas hat ein amerikanischer Präsident die Foltermethoden der CIA kritisiert. Barack Obama äusserte sich letzte Woche kritsch zu Praktiken wie Schlägen, Schlafentzug oder Waterboarding. Das Eingeständniss der Exsistenz von Folter ist ein erster Schritt, Amerika sollte aber Möglichkeiten finden, diese dann auch wirklich zu stoppen.

    Ärger : In der chinesischen Provinz Yunnan sind bei einem starken Erdbeben mindestens 381 Menschen ums Leben gekommen, viele weitere werden vermisst. Auch für die Überlebenden der stärksten Erdbewegungen seit 14 Jahren sind viele Probleme entstanden : Tausende Häuser sind zerstört, Stromleitungen sind kaputt. Nach diesem Beben wird es für die Einwohner Yannuns einige Zeit dauern bis sie wieder ihr normales Leben aufnehmen können.

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  4. Ärger:
    Jährlich sterben in China 30.000 Kinder durch Ertrinken weil nur jedes fünfte Kind schwimmen kann. Diese Zahl findet in den Medien keine Beachtung.

    Gleichzeitig bekommen wir täglich in den Nachrichten der Tagesschau die aktuelle Zahl der Ebola-Toten aus Westafrika genannte. Stand heute 876.

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