Freitag, 25. April 2014

Priya-Johanna Makkar
Wettbewerbsbeitrag - Jugend denkt Europa

Woran denken Menschen als erstes, wenn sie EU hören?
Eurokrise. Abgeschobene Flüchtlinge. Schulden.
Wie kann es sein, dass so viele Menschen ein negatives Bild von der Europäischen Union haben, wenn sie mit dem Grundsatz gegründet wurde, für Frieden zu sorgen und die Wirtschaft zu stabilisieren?
Für mich bedeutet Europa Gemeinschaft. Für mich bedeutet Europa Toleranz. Es steht für ein Leben in Sicherheit und Frieden.
Die Europäische Union ist in unserem Leben täglich präsent: wenn wir im Supermarkt mit dem Euro für geprüfte Lebensmittel bezahlen, wenn wir an einem Schüleraustausch teilnehmen, wenn wir für ein Wochenende nach Brüssel fahren. Europa betrifft jeden von uns, auch wenn es den meisten Menschen gar nicht bewusst ist, in welchem Maß die EU unseren Alltag beeinflusst.

Jeden Tag lichten die Medien die europäischen Entscheidungen in einem meist negativen Licht ab und nach kurzer Zeit schon erscheint es einem, als stünden wir alle vor einem riesigen Berg an unüberwindbaren Krisen und Baustellen. Sollte man sich dann also wundern, dass Europa der Jugend von heute egal ist oder sie ein durchweg schlechtes Bild davon hat?
Doch diese »EU-Verdrossenheit« weitet sich auch unter der restlichen Bevölkerung aus. Nur wie konnte es dazu kommen, dass Menschen ein oft negatives Bild von Europa haben? Zunächst muss man sagen, dass es natürlich von Beginn an der Gründung der Europäischen Union immer Kritiker gab.
Alle EU-Mitglieder sind in bestimmtem Maße voneinander abhängig und an der Gesetzgebung auf EU-Ebene sind viele Akteure beteiligt, somit sind Entscheidungsprozesse langwieriger als auf Bundesebene. Im Extremfall kann die Gesetzgebung sogar bis zu einige Jahre dauern (den Rekord hält bislang das Gesetz zur Europa AG mit 30 Jahren). Durch diese langen Verfahren ist die EU oft gar nicht in der Lage, schnell auf Vorkommnisse zu reagieren, wie beispielsweise im Fall Griechenlands 2012. Gerade diese Eigenschaft stört viele Bürgerinnen und Bürger: Warum sollten Gesetzte in der EU verabschiedet werden, wenn es so doch in den einzelnen Staaten viel schneller ginge?

Die Ereignisse der letzten Jahre mit ihren Eurokrisen und Staatsschulden haben EU-Skeptiker in ihrem Denken nur bestärkt und mehr Menschen dazu gebracht, die EU nicht als Lösung unserer Probleme zu erkennen, sondern als das Problem selbst. Natürlich lässt es sich auch nicht abstreiten, dass ein Großteil der Jugendlichen den Vorgängen der EU keine Beachtung schenkt. Deshalb denke ich: Jetzt erst recht! Jede Jugendgeneration bekommt zu hören, dass sie sich nicht für Politik interessiere oder doch sowieso nichts ändern könne. Doch wir können diesen Menschen das Gegenteil beweisen, denn es kann schlichtweg nicht sein, dass solche Ansichten verallgemeinert werden. Jugendliche haben sehr wohl ein Interesse daran, dass die Kluft zwischen Arm und Reich in Europa nicht noch größer wird und dass illegale Einwanderer an den Grenzen zu uns nicht abgeschoben werden.

Aber wir wurden in die Europäische Union hineingeboren. Wir kennen Europa nicht anders. Wir können jedoch jeden Tag mitverfolgen, wie es sich verändert und weiterentwickelt.
Mit verschiedenen Kulturen aufzuwachsen ist eine Bereicherung für das gesamte Leben, wie ich aus erster Hand bestätigen kann, und für mich ist es genau das- ein Leben mit unterschiedlichen Kulturen und Traditionen- was die EU ihren Bürgern ermöglicht. Denn wären die Länder der EU nicht so vernetzt, wie sie es heute sind, sähe unser Leben, und vor allem das der Jugendlichen, ganz anders aus. Durch die EU ist es heutzutage Standard, während des Studiums einen Erasmus-Aufenthalt im Ausland zu verbringen. Ich selbst hatte bereits in der Grundschule das Glück, an einem Austausch mit Würzburgs Partnerstadt Caen teilnehmen zu dürfen und dieses Erlebnis war prägend für meine Einstellung gegenüber Kulturaustausch und meinem Interesse für unsere Nachbarländer und Sprachen. Ich möchte in Europa nachhaltig mitwirken und durchsetzen, dass Menschenrechte in allen Staaten respektiert werden, auch in der Ukraine und der Türkei. Ich wünsche mir, dass alle Staaten ein Mitspracherecht bei wichtigen Themen haben, ob EU-Mitglied oder nicht.
Und weil diese Themen alle Europäer betreffen, ist es wichtig, die Jugendlichen besser zu informieren. Nicht nur über die Uneinigkeit der Staatschefs beim EU-Gipfel und die Regelungen zum Anbau von Genmais, sondern vor allem über die Mechanismen, die beispielsweise hinter so einem Entschluss stecken. Wie sollen wir verstehen, was die Bankenunion ist, ohne zu wissen, was die EU überhaupt mit den Banken in Deutschland zu tun hat?
Europa mag nicht die einzige Lösung für all unsere Probleme sein, doch die Prinzipien und Wertvorstellungen, die ihm zu Grunde liegen sind der Schlüssel zu einer verbesserten Gemeinschaft und vielleicht motiviert dieses Gemeinschaftsgefühl mehr Menschen, sich dafür einzusetzen, dass sie erhalten bleibt und Jugendliche ebenfalls dafür zu begeistern. Denn wir sind die Zukunft der EU und auf Grundlage dessen, was Generationen vor uns aufgebaut haben, können wir mehr Menschen Freiheit und Frieden garantieren.

 

Kommentare:

  1. Ich finde es sehr interessant, dass du betonst, dass ein Kern der EU gerade der Kulturaustausch ist. Ich denke, dass früher gerade die Gemeinschaft verschiedener Kulturen ein Kernanliegen der EU war. Betrachtet man jedoch die politische Debatte heute, so wirkt es immer mehr so, als ob wir auf einen "clash of cultures" zusteuern würden.
    Ich denke da gerade an die kulturellen Vorbehalte gegenüber einen EU-Beitritt der Türkei, oder an den "Kulturkrieg", den Russland erklärt hat.
    Die Frage, die sich die EU stellen muss, ist, ob sie ein exklusiver Club westlich geprägter Staaten sein oder dem Motto "Einheit in Vielfalt" treu bleiben will.
    Ich persönlich denke, dass "Einheit in Vielfalt" möglich ist - aber man muss es auch wollen.

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    1. Möglich ist es vielleicht - aber auf jeden Fall nicht einfach. Mehrere Kulturen unter einen Hut zu bringen wird immer Reibereien geben. Wenn man dass ganze dann noch auf kontinentaler Ebene abziehen will, werden die Schwierigkeiten nur noch größer. Es braucht nicht nur sehr viel guten Willen, sondern auch ein großes gegenseitiges Verständnis. (Man muss allerdings dazu sagen, dass falls es doch gelingen sollte, diese kulturelle Vielfalt auch von unschätzbarem Wert sein würde.)
      Jedoch muss man meiner Meinung nach aufpassen, dass man den Bogen nicht überspannt. Denn wenn man versucht, zu viele Köpfe unter einen Hut zu bekommen, wird der Hut irgendwann platzen, und keiner hat letztenendes einen Gewinn gemacht. Deshalb sollten wir uns als EU erst mal auf eine kleinere Gruppe konzentrieren, und versuchen, dort echte Einheit zu schaffen, bevor wir uns zu schnell ausweiten.

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    2. Da bin ich anderer Meinung. Wenn man sich auf eine kleinere Gruppe beschränkt, so fehlt alsbald der politische Wille, weiterzumachen, und man ruht sich auf seinen Lorbeeren aus.
      Wie Priya ja bereits beschrieben hat, dauert es extrem lange, Gesetze zu beschließen. Die Institutionen der EU sind nicht weit genug ausgereift, um ihren Zielen gerecht zu werden. Das gleiche Problem haben wir auch bei der Völkerverständigung. Auch hier sind die Institutionen nicht leistungsfähig genug.
      Deshalb frage ich: Sollen sich die Ziele der EU an die Leistungsfähigkeit ihrer Institutionen anpassen oder umgekehrt?

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    3. Ich kann den Zusammenhang zwischen dem Erfolg der EU und dem funktionieren von EU-Organisationen nicht erkennen. Ob ein Gesetz lange dauert oder nicht ist sekundär. Auch in Deutschland dauern Gesetze manchmal lange oder werden mehrfach revidiert. Aber wir sehen uns alle als Deutsche, egal aus welchem Bundesland wir kommen. Trotz organisatorischer Mängel in den Verwaltungen. Der Bundesrechnungshof prangert permanent Mängel an.
      Selbst wenn die Institutionen der EU genauso ausgereift wären wie in Deutschland oder Frankreich so wäre die emotionale Bindung der Bürger an das „Land Europa“ doch weiterhin gering.
      Und hier beginnt die große Aufgabe aller an dem Gelingen Europas interessierten. Egal ob Politiker, Jugendlicher, Unternehmer oder Medienvertreter: Sie und wir müssen bei den Bürgern Sympathie für Europa schaffen.
      So wie es Mitte des vorletzen Jahrhunderts eine große Welle der Sympathie für ein vereintes Deutschland gab (Hambacher Schloss etc.) so muss es auch in den Bevölkerungen der EU Staaten wieder eine Welle der Begeisterung für Europa geben. Aber wie ? Effizientere EU-Administrationen sind sicher gut, aber nicht die Lösung.

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    4. Das Thema, dass wir uns alle als Deutsche fühlen, erinnert mich an einen Text zur Bayernpartei zum letzen Bundestagswahlkampf hier auf CATO. Auch die Bayernpartei kritisiert die Ineffizienz des Regierungssystems.
      Wären die EU-Organe effizienter, so würde man zumindest mehr Probleme haben, die EU rational zu kritisieren. Ein stärkeres Europaparlament würde auch die Politik europäischer machen - manche Parteien feiern es ja, wenn sich ihre nationalstaatliche Agenda durchgesetzt hat - würden die EU-Organe besser funktionieren, wäre die Politik der EU weniger abhängig von den Zielen der Regierungen der Nationalstaaten.
      Aber du hast Recht, Dominik, Sympathie erreicht man nicht nur über gute Politik. Aber auch gute Medienkampagnen bringen nichts ohne gute Politik.
      Ein Kernproblem denke ich ist, dass EU-Skeptiker einfach lautere Stimmen haben als Unterstützer der EU. Kritik animiert mehr dazu, sich zu äußern, als Zustimmung.

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  2. Ich denke nicht, dass wir die Vereinigten Staaten von Europa werden sollten, denn dafür sind die Kulturen wirklich zu verschieden. Das Ziel der EU kann das im Moment aber auch gar nicht sein, da viele Menschen nicht hinter der EU stehen. Allgemein sollten die politischen Prozesse einfach transparenter werden, damit alle verstehen können, was hinter der EU steckt. Denn nur durch den Rückhalt der Menschen, also durch Beteiligung an Wahlen, kann sie sich weiterentwickeln.

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    1. Die Vereinigten Staaten von Europa halte ich momentan für einen Traum, keine Perspektive - aber wo wären wir ohne Träume? Man kann Menschen einfacher überzeugen, wenn man selbst mit ganzem Herzen hinter einer Sache steht. Es ist einfacher, mit ganzem Herzen hinter dem Traum der Vereinigten Staaten von Europa zu stehen als hinter einer EU der Kompromisse und der Nationalstaaten.
      Sind die Kulturen wirklich so verschieden? Oder fallen uns einfach die Unterschiede eher auf als die Gemeinsamkeiten. Schon vor vielen Jahrhunderten konnten "Staaten" kulturelle Unterschiede überwinden - Staaten in Anführungszeiten, weil ich gerade an das Römische Reich denke oder ähnliches. Nicht immer ist Gewalt für Völkerverständigung nötig, das entwickelte sich oft von alleine.
      Aber zu allererst müssten die Kulturen zusammenwachsen. Dafür müsste die EU sorgen, und dazu müsste sie ein gutes Image haben. Und da stimme ich dir vollkommen zu, Priya: nur wenn die Menschen die EU verstehen, können sie an ihr mitwirken, nur wenn sie sie verstehen, können sie sie auch wertschätzen; denn viele Menschen haben Angst vor den Dingen, die sie nicht verstehen.

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