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Mittwoch, 23. Juli 2014

Theresa Kruse

Die WM ist vorbei. Die letzten Deutschlandflaggen werden auch eingeholt. Was bleibt ist die Nationalhymne. Soll sie das?

 
Hoffmann von Fallersleben, Dichter der Nationalhymne (Dieter Schütz  / pixelio.de)


Samstag, 28. Juni 2014

Martin Lotter
Während von Möchtegern-Experten die Fußballspiele detailliert analysiert werden, lohnt es sich auch, die Minuten vor dem Spiel genau zu untersuchen - sie werfen einige Fragen auf.
File:Deutsche Fußballnationalmannschaft 2011-06-03 (02).jpg
By Steindy (talk) 11:08, 4 June 2011 (UTC) (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Dienstag, 11. Februar 2014

Über die NSA wurde in letzter Zeit viel geschrieben - aber wenig getan. Zumindest Otto-Normalverbraucher hatte wenig Gelegenheit, gegen die Machenschaften des US-Geheimdienstes zu protestieren. Nun haben verschiedene Organisationen für den heutigen Tag, den 11. Februar, zu einem weltweiten Onlineprotest aufgerufen. Mit dabei sind Größen wie Mozilla oder die Electronic Frontier Foundation. Hier haben sie Richtlinien dazu veröffentlicht, wie sie die Gesetzgebung zur Privatsphäre im Internet in Zukunft gerne haben würden.

Vor zwei Jahren konnte eine ähnliche Aktion, bei der sich auch Wikipedia und Google beteiligten, den amerikanischen SOPA (Stop Online Piracy Acts) Gesetzesentwurf verhindern. Nun hoffen die Initiatoren, mit Bannern auf teilnehmenden Websites und einer digitalen Unterschriftenaktion den internationalen Datenschutz wieder ins öffentliche Licht zu rücken. Da diese Aktion allen offensteht, sind auch CATO-Leser herzlich dazu eingeladen, mitzumachen. Letztes Jahr forderte einer unserer Autoren: "Auch sollten wir, als deutsche Bürger, uns überlegen, was wir gegen diesen Eingriff in unsere Souveränität unternehmen können." Nun ist die Gelegenheit da - nehmen wir sie war?

Daniel Vedder


Falls es jemanden interessiert, was bis jetzt schon auf CATO zu diesem Thema geschrieben wurde, ist hier eine kurze Auflistung von Texten, die sich damit auseinandersetzen:

Sonntag, 2. Februar 2014

KW 5

Das Wort der Woche, diesmal aus anderer Feder.

Wort der Woche: 

Riot

Ein kleines Wort mit viel Sprengkraft. "A riot is the language of the unheard", sagt Martin Luther King. Was das bedeutet, erfährt die Ukraine momentan aus erster Hand. Solch kriegsähnlichen Zustände hat Europa schon lange nicht mehr gesehen. Letzte Woche gab es die ersten Toten, nun sind auch Berichte über angeblicher Folter seitens der Regierungskräfte ans Licht gekommen. Dieses Wochenende steht der dortige Aufstand auf der Agenda der Münchener Sicherheitskonferenz, wo sich John Kerry, Steinmeier, von der Leyen & Co. über das "Problem Janukowytsch" austauschen.
Ebenfalls in München, jedoch eine Woche später und ohne dieselbe internationale Brisanz, wird ein weiterer "Aufstand" stattfinden. Unter dem Motto "The riot starts here" wird momentan unter Oberstufenschülern auf Facebook zu einer Demonstration gegen das bayerische Kultusministerium aufgerufen, die nächsten Freitag stattfinden soll. "Wir sind es Leid, dass das Kultusministerium ständig über unsere Köpfe hinweg willkürliche Entscheidungen trifft", verkünden die Organisatoren, ein Satz, dem viele Gymnasiallehrer und -schüler herzhaft zustimmen werden. Der aktuelle Anlass ist das sog. Probeabitur, eine extra Klausur, die die diesjährigen zwölften Klassen in den Kernfächern schreiben mussten, als Vorbereitung auf das kommende "Zentralabitur". (Nun, offiziell heisst es bundesweites Zentralabitur, was bedeutet, das sechs Bundesländer teilnehmen und ca. ein Viertel der Punkte trotzdem auf rein Bayern-interne Fragen gegeben werden.) Aus diversen Gründen fiel das Mathe-Probeabitur besonders schlecht aus, und zwar bayernweit. Manche Schulen hatten bei dieser abiturrelevanten Note Stufenschnitte im Fünf-Punkte-Bereich. Nach einer Menge Unmut unter allen Beteiligten entschloss sich das Bildungsministerium, den Schülern die Möglichkeit zu geben, ihre Note zu streichen. Die Schüler jubelten, bei den Lehrern sah das Bild jedoch etwas anders aus: der Bescheid aus München kam kurz vor Notenschluss, wodurch sie sich gezwungen sahen, innerhalb einer Woche die plötzlich fehlenden Noten wieder gutzumachen. Das Ende vom Lied ist nun die oben erwähnte Demonstration. 
Obwohl der Grund Außenstehenden nichtig erscheinen mag, zeigt diese Entwicklung doch, dass auch die jetzige Generation Schüler nicht durchwegs apolitisiert sind; sondern es im Gegenteil auch hier junge Erwachsene gibt, die bereit sind, die ihnen zur Verfügung stehenden politischen Möglichkeiten zur Meinungskundgebung zu nutzen. Egal, was man von der Demonstration an sich hält - diese Tatsache ist auf jeden Fall zu begrüßen.

Daniel Vedder

Mittwoch, 29. Januar 2014

Niklas Götz

Vor kurzem hat die alljährliche, Grimme-Preis-nominierte kulturelle Diarrhoe wieder begonnen, in der 11 anbiedernde Auswürfe der Leistungsgesellschaft in den klinisch reinen Dschungel-Folterkeller des intellektuellen Kerkermeisters des Privatfernsehens RTL gesperrt werden. Eigentlich kein gesellschaftsrelevantes Thema? Von wegen, denn hier kann man kulturell gezähmten Sadismus erleben!
YanCoasterman


Dieser Text wurde vor Beginn der diesjährigen Staffel verfasst.

Doch bevor wir das Prinzip des Sadismus hinter diesem Format erkennen, sollten wir zuerst versuchen, das Format zu verstehen. "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" ist nämlich mehr als nur eine prekarische Voting-Show mit Celebrity-Charakter.
Fangen wir erst mal mit dem Menschenmaterial an. Dieses ist im Gegensatz zum eigentlich ironisch gemeinten Titel eine Auswahl psychisch wie finanziell gescheiterter Z-Prominenter. Um dem Zuschauer einen größtmöglichen Unterhaltungswert zu bieten, sind sie für entsprechende Rollen (Macho, Muttie, Lästertante) bereits von selbst geeignet oder entsprechend instruiert. Unabhängig hiervon sind jedoch drei Gruppen zu unterscheiden, welche bereits bei der oberflächlichen Darstellung der bedeutungslosen und zum Fremdschämen verführenden Lebensläufe offensichtlich werden: die Langweiligen (auch Fehlinvestitionen genannt; sie liegen in der Hängematte, öden selbst bei der Dschungelhinrichtung an und werden bei Zuschauervoting recycelt), die Lieblinge und die Opfer.
Die Lieblinge sind zwar Z-Promis wie alle anderen, schaffen es aber, eine persönliche Beziehung zum Zuschauer aufzubauen. Aus ihnen kürt man am Ende den Kerkerkönig. Bestes Beispiel ist Joey Heindle: in ihm ist weniger Hirn als in einer Gelbwurst, jedoch war er so naiv, dass beim Zuschauer das Kindchenschema ausgelöst wurde. Ähnliches erreicht man auch, wenn man es schafft, dass sich der Zuschauer mit einem identifizieren.
Doch werden uns heute die Opfer ganz besonders interessieren, denn wegen ihnen wird die Sendung millionenfach eingeschaltet (ähnlich wie bei DSDS, das gleiches Prekarierfernsehen mit ähnlichen Funktionen bietet; auch hier will man eigentlich nicht die Gewinner sehen, sondern das talentfreie Vakuum bei den Castings).
Opfer sind jene, die es schaffen, bei jedem gesunden Menschen Antipathie auszulösen, sodass eine Identifizierung unmöglich wird und die Distanz möglichst groß ist. Sie sind geprägt von einem abstoßenden Charakter, von krankhaftem Narzissmus, einer allgemein agressiven Art und stammen aus dem Kapitol des schlechten Geschmacks. Oft sind es auch Existenz-Exhibitonisten. Die stete Behauptung, wider allgemeinem Wissen nicht wegen des Geldes, sondern wegen der "Reportation" (eine lexikalische Schande des aktuellen Kandidaten und musikalischen Gollum Michael Wendler), erzeugt noch mehr Abneigung beim Zuschauer.
Diese Einteilung in drei Gruppen (von denen schnell, meist schon nach den ersten Votings nur noch zwei übrig bleiben), setzt sich im "Alltagsleben" innerhalb des Wintergartens der Irrenanstalt fort.
Die Opfer, oft in der Überzahl, beginnen mit Schmutzkampagnen gegeneinander, welche innerhalb der ersten Woche zur Bildung intriganter Grüppchen führen, die stark an die bipolare Welt während der Kuba-Krise erinnern.. Dies wird gespickt durch verbale Duelle auf dem Niveau eines schwer Betrunkenen, schlecht gespielten Liebesgeschichten, Anfällen des Tourett-Syndroms, obszönen Handlungen mit Fäkalien und exhibitionistischen Avancen. In dieser Phase werden die Lieblinge immer weniger, weil sie darin versagen, ihr gutes Image zu erhalten, indem sie entweder dem Gruppenzwang erliegen und sich für die falsche Seite entscheiden, oder aber wie ein Reh im Scheinwerferlicht erstarren und uninteressant werden. In der zweiten Woche brennt dann ein heißer Krieg aus, in der sich alle so beschmutzen, dass nur noch ein oder zwei Lieblinge übrig bleiben. Der ständige Drang, sich selbst mit abstoßenen Geständnissen in die Medien zu bringen, ist eine nur begrenzt sinnvolle Idee, da sie zwar bei Menschen mit ähnlichen Erfahrungen eine Identifikation ermöglichen, das falsche Spiel beim Haschen um Mitleid wie ein Süchtiger nach der Droge schnell durchschaut und der Zuschauer dessen überdrüssig wird.
Das Konfliktpotential im Mehrbettdschungel wird durch die große Nähe zwischen den sozial inkompetenten Z-Promis, dem ständigen Hunger (welcher nur durch die an Woyzeck erinnernde Reis-Bohnen-Diät bekämpft wird), der für verwöhnte Ekel unpassende Möblierung und die ab und zu aus dem Zoohandel eingeführte Tiere verstärkt.
Noch wichtiger als der Alltag im deutschen-australischen Guantanamo ist jedoch die tägliche Hinrichtung einer oder mehrerer vom Dschungelmob oder den telefonsüchtigen Zuschauern ausgewählter Grenzdebiler. Die Perfektion in der Wahl der Folterinstrumente erinnert ehrfürchtig an das große Vorbild der Hungerspiele. Hier hat der Auserwählte die Möglichkeit, sein Image zu bearbeiten. Ein Opfer wird besonders gern gewählt. Bei der Prüfung kann es zum Super-Opfer aussteigen oder zum Langweiligen verfallen. Sollte es unter Tränen und dem Kollaps nahe die Dschungelprüfung mehr oder weniger bestehen, so wird es nochmals außerwählt. Setzt sich dieses Verhalten fort, wird es ein Super-Opfer und so lange wiedergewählt, bis es die Arena verlässt oder die Zuschauer ihre Hinrichtungskompetenz verlieren. Tag für Tag können sich so die Zuschauer an krampfhaften Heulanfällen, ausgelöst durch plötzlich und nie dagewesenen Phobien und Veganismus erfreuen. Sein Rang als normales Opfer kann man behalten, wenn ein souveränes Bestehen der Prüfung mit narzisstischen Anfällen á la: "Ich bin der King of Currywurst!" begleitet wird, man vom Super-Opfer überstrahl wird oder sich einfach nur etwas dumm anstellt. Der Verfall zum Langweiligen ergibt sich, sollte mn die perfid-psychopathischen Prüfungen kommentarlos über sich ergehen lässt, während ein herzliches, aber kompetentes Verhalten den Weg zum Liebling glättet.
Bei den Lieblingen kann der Rang nur bestehen, wenn man zwar sein Leid zeigt, es aber altruistisch (um CARE-Packete zu erarbeiten) erträgt und dabei am besten noch recht lustig erscheint – oder bei mangeldem Humor zumindest eine gute Figur macht. Es reicht aber auch, so inkompetent zu sein, dass der Zuschauer sich überlegen fühlt. Ein sozialer Umstieg (eine Hierarchie möchte ich nicht einführen) in Richtung (Super-)Opfer/Langweiliger ist jedoch auch möglich.
Eine der großen Zaubereien sind natürlich die Scheiterhaufen der deutschen Medienwelt, die soganannten Dschungelprüfungen welbst. Sie bestehen aus physischen oder psychischen Herausforderungen. Letztere sind als lebende oder tote Anwendungen von Teilen von Wirbeltieren oder ganzen Wirbellosen zu verstehen, die sowohl innerlich oder äußerlich angebracht werden. Ziel dieses Massenmords ein unschuldigen Tieren ist es, denn Kandidaten so zu provozieren, dass er seine Verhaltensmaske fallen lässt und gleichzeitig den Zuschauer bis zum Erbrechen anzuekeln, und zwar nicht nur vor der Prüfung, sondern auch den Kandidaten. Der stets präsente soziale Druck durch die Mithäftlinge entsteht durch die Rechtfertigungspflicht mittels der Nahrungsboni, welche mittels Bestehen der noch nicht von der Genfer Konvention betroffenen Foltermethoden erlangt werden.
Das Befreien der Tribute aus den Brechreizspielen mittels dem bekannten "Daumen hoch/runter"-System (die Daumen wurden durch Telefone ersetzt) ist dann nur noch nachrangig, da es nur dazu dient, dem ekelhaften Spektakel ein Ende zu geben, indem zuerst Langweilige, dann Opfer herausgewählt werden. Übrig bleiben nur noch Super-Opfer, die dann gegen die letzten verbleibenden Lieblinge verlieren – natürlich nicht ohne noch einmal in Prüfungen als Zuschauerfutter verheizt zu werden.
Gerade jedoch die Super-Opfer haben die besondere Fähigkeit, bei den Lieblingen Feindschaft hervorzurufen, diese auf eine Schmutzkampagne gegen sie zu hetzen und dadurch auf die Dunkle Seite der Prominenz zu führen, wodurch das Super-Opfer als Gemobbter zum Liebling werden kann – man nennt es die Kusmagk-Strategie.
Am wichtigsten sind jedoch die stets im Doppelpack auftretenden Foltermeister Phobos und Deimos, auch Pest und Cholera genannt. Ihre Hauptaufgabe ist das Anpreisen der Foltermethode im Stile des Großinquisitors sowie das Verspotten und Niedermachen der grenzdebilen Schreckschrauben in der Pseudowildnis. Die beiden audivisuellen Horrorpuppen könnten nicht nur Freddie und Jason ersetzen, sondern nehmen auch noch den Zuschauer ab, böse Witze über bereits am Boden liegende Existenzen zu erfinden. Gottgleich prägen sie das Leben der Bewohner des Irrenzoos auf eine an Verbrechen an der Menschlichkeit grenzende Weise. So wurde aus "Sarah Knappig" "Sahra Dingens", und zwar für immer – man könnte gleich den Nachnamen beim Standesamt ändern lassen, wenn es dies nicht schon von alleine getan hätte. Dies bleibt nur bei Noch-Nicht-Gefangenen im Rahmen der Satire (und zwar immer, wenn man auf Geschehnisse und Kritik in der Heimat reagiert). Jeder der Amöben in der Petrischale des Privatfernsehens ist dem Rufmord der Scharfrichter hilflos ausgeliefert, wobei die Grenzen von Satire, Humor, Polemik und Kabarett nicht nur überschritten, sondern schlichtweg vernichtet werden. Und die Welt lacht mit.
Wozu der ganze Zauber? Warum schauen sich Millionen Menschen (nicht nur in Deutschland; diese Show gibt es in fast jedem Land) diesen schleimigen Auswurf der Fernsehkultur an?
Exhibitionistische, abstoßende Prominente, die intellektuell dem Zuschauer unterlegen sind und dadurch sein Selbstwertgefühl steigern, gibt es oft. Voting-Shows ebenso. Aber leidende Prominente, gespickt mit diesen Elementen und gepaart mit dem Gruppenverhalten von Asozialen ist fast einzigartig. Es gab zwar noch ein ähnliches Projekt beim Konkurrenzsender Pro7, dieses scheiterte jedoch offensichtlich an inkompetenten Vormobbern (also Moderatoren).
Daraus erkennt man, dass hierin der Schlüssel zum Erfolg liegen muss. Wenn ich mich wieder auf den Anfang des Textes beziehe, sollte mit meiner These der Erfolg der Show verständlich werden.
Wenn man akzeptiert, dass jeder Mensch einen kleinen, aber nicht zu unterschätzenden Hang zum Sadismus hat, wird es schnell offensichtlich. Denn warum gucken Menschen Filme wie "Saw"? Wohl nicht, um zu lernen, wie man Serienmörder abwehrt. Warum erfreuen sie sich an Missgeschicken aus dem Internet? Wohl nicht aus Mitgefühl. Warum wählen sie immer wieder den selben Prominenten, um gequält zu werden, obwohl er nicht mehr will? Wohl nicht, um ihn eine Chance zur Profilierung zu geben. Die Antwort ist, dass Menschen ihren Sadismus kulturell kanalisieren und mit diesen Mitteln ausleben, um im Alltagsleben davon befreit zu sein – ebenso wie manche Menschen ihre Aggression kanalisieren und beim Kampfsport ausleben, um im Alltagsleben entspannter zu sein.
Das ganze Format ist darauf abgerichtet, die Opfer zu quälen. Mit Absicht werden Menschen gewählt, deren Lebensläufe und Verhalten größtmögliche Distanz zum Zuschauer schafft, was ihm die Auslebung des Sadismus erleichtert (entscheidender Vorteil zum Vorbild der Hungerspiele: Es macht dem Zuschauer mehr Spaß, Z-Promis leiden zu sehen als Kinder sterben zu sehen).
Weiterhin werden die Opfer zu Konflikten zueinander motiviert, ebenso dazu, sich selbst darzustellen, was beides dazu führt, dass der Zuschauer das falsche Spiel erkennt, die Opfer als moralisch minderwertig abstempelt und damit moralisch fragwürdiges Verhalten gegenüber ihnen legitiermiert – ebenso wie man einen Ketzer vogelfrei erklären konnte.
Schlüsselrolle haben die Moderatoren, die bei der Entmenschlichung der Opfer eine Hilfestellung leisten und gleichzeitig den Zuschauer vertreten, indem sie sich stellvertretend für ihn über das Menschenmaterial lustig machen und sich gleichzeitig mit dem Zuschauer indentifizieren.
Dieser Vorgang wird bei der Dschungelhinrichtung zum Höhepunkt geführt: In der rituellen, psychischen Gewaltanwendung an den Opfern kann der Zuschauer seinen Sadismus an den Z-Prominenten ausleben, indem er unterbewusst die Rolle der Moderatoren einnimmt und selbst zum Foltermeister wird. Dabei wirkt die Sadismusentladung umso stärker, je mehr der Zuschauer selbst von der Prüfung abgeschreckt wird. Paradebeispiel ist jene Prüfung, bei der kulturell abgelehnte Speisen vollständig verzehrt werden müssen. Da hier das Foltermittel durch den Verzehr mit den Gefolterten eins wird, ist es besonders perfide und daher auch besonders wirksam.
Die Krönung des Königs des Irrenhauses ist nur noch eine Formalität, am Ende der Staffel hat der Zuschauer seinen Sadismus für ein Jahr ausgelebt.
An der Stelle fragt man sich, was wäre, wenn die Menschen ihren Sadismus nicht kanalisieren könnten. Sicherlich gab es ja auch eine relativ friedliche Gesellschaft vor dem Dschungelcamp, Killerspielen & Co. . Aber jeder braucht ein Ventil, will er sich nicht gegen seine Mitmenschen richten. Das alte Rom hatte seine Ventile ja im großen Stil (da hat man schlicht Verbrecher von einem Löwen fressen lassen – heute lässt man Z-Promis Löwen-Genitalien verzehren). Auch im Mittelalter hatte man Hinrichtungen. In der Moderne wurde es jedoch schwierig, die Ventile gingen aus, schließlich war Sadismus verachtet. Das Dschungelcamp brach dieses Tabu und öffnete so das Ventil – und wenn man auf die Quoten blickt, so strömt dort sehr viel durch – ungetrübt von ethischen Problemen.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Niklas Götz

Genau vor 75 Jahren gelang am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin Otto Hahn etwas, das wohl die folgenreichste und bedeutenste Entdeckung der Naturwissenschaften bis jetzt sein sollte: Die Spaltung des Uranatoms. Doch die Folgen sollten ein Mahnmal für die Wissenschaftsethik werden.
Versuchsaufbau bei der Entdeckung der Kernspaltung. (By J Brew [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons)

Freitag, 6. Dezember 2013

Martin Lotter

khv24  / pixelio.de

 
Es war einmal in Berlin...
Die EU Kommision hat uns Deutschen schon mehrfach vorgeworfen, dass wir zu viel sparen und zu wenig komsumieren. Die Europäsche Zentralbank hat deshalb die Zinsen fast auf Null gesenkt, aber die ignoranten Deutschen geben ihr Geld trotzdem nicht aus, sondern lassen es immer noch auf den Sparbüchern. Um der fortgesetzen Kritik der EU zu entgehen hat die, große Koalition eine Kommission eingerichtet mit dem Ziel Vorschläge zu erarbeiten, wie man uns Deutsche zum Konsumieren bringen kann. Experten der sogenannten „Konsumkommission” unter Vorsitz von Andrea Nahles waren Sylvia van der Vaart, Ex-Industrieboss Olaf Henkel , Harald Glöckler und Uli Hoeness als Berater in steuerlichen Fragen. Die Lobby der Bauindustie wollte als Experten noch Bischof Tebartz van Elst platzieren. Allerdings war er zum Zeitpunkt der Besetzung der Kommision nicht erreichbar.
Andrea Nahles hat nun – unter musikalischer Begleitung á la Astrid Lindgren - das Ergebnis vorgestellt. In der ersten Bundestagssitzung noch vor Weihnachten soll das Gesetz verabschiedet werden. Der Titel des Gesetzes ist entweder „Konsumförderungsermächtigungsgesetz“ oder „Konsumnotstandssonderverordnung“. Eine Historikerkommision muss noch ein Urteil zum Titel abgeben.
Hier einige der Vorschläge der Expertenkommision:
Das statistische Bundesamt hat ermittelt, dass der Konsum in der Weihnachtszeit kräftig steigt. Daher wird die Weihnachtszeit verlängert. Sobald bei Aldi Lebkuchen und Christstollen im Angebot sind, dürfen auch Weihnachtsmärkte geöffnet werden. Somit wird Weihnachten im September beginnen. In München wird das Oktoberfest bis Ende Dezember verlängert und der Glühwein wird regionaltypisch in Maßkrügen ausgeschenkt. Lediglich am Volkstrauertag und Totensonntag wird der Ausschank gestoppt, es sei denn, die Budenbesitzer schenken zur Zeichen der Trauer nur besonders dunklen Glühwein aus. Dieser Kompromiss ist dem mönchischen dunklen Starkbier zur Fastenzeit entlehnt.
Die Arbeitgeber werden verpflichet Weihnachtsgeld bereits im September auszuzahlen.Gleichzeitg erhalten die Arbeitnehmer einen zusätzlichen bezahlten Feiertag, den sogennanten Volkseinkaufstag. An diesem Tag sind alle Onlineanbieter verpflichtet 10 % Rabatt auf die Einkäufe zu geben. Amazon muss 20 % Rabatt geben, da sie sowieso keine Steuern in Deutschland zahlen.
Von den guten Konsumerfahrungen der USA will man in Deutschland profitieren. So sind die durchschnittlichen Größen der Getränke in den USA deutlich über denen in Deutschland. Altbier oder Kölsch wird im Rheinland immer noch in „0,2l Reagenzgläsern“ ausgeschenkt. Die guten Erfahrungen beim Oktoberfest mit Maßkrügen will man nun auf ganz Deutschland ausweiten. Bierausschank in Gläsern kleiner als 1 Liter ist nicht mehr zulässig. Um Probleme alkoholisierter Fahrer mit der Straßenverkehrordnung zu vermeiden wird die Promillegrenze von 0.5 auf 3 Promille angehoben. Die Autoindustrie begüßt den Vorschlag und sieht darin eine indirekte Abwrackprämie. Die Versicherungslobby intervenierte erfolglos. Merkel meint, diese Maßnahme sei alternativlos.
Basierend aus Datenlieferungen der NSA wurden Bevölkerungsschichten ausgemacht, die sich penetrant weigern die Wirtschaft zu fördern. Diese sogenannten „Konsumagnostiker“ will man besonders ansprechen. Zunächst ist es verboten auf seinem Briefkasten Schilder wie „Bitte keine Werbung“ anzubringen. Auch Anzeigenblätter müssen gelesen werden.

Konsumagnostiker ist man zudem, wenn man ungenutztes Geld auf dem Konto hat. Die Banken sind verpflichtet, die Daten alle Konten mit mehr als 20.000 € Guthaben an ein neu einzurichtendes Ministerium für Konsumfreude zu senden. Als mögliche Minister sind Ursula von der Leyen oder Sigmar Gabriel im Gespräch. Kompetenz wird von der Leyen wegen der 7 Kinder zugesprochen, Gabriel wegen seiner gemütlichen Figur. Als Geheimtipp auf diesen Posten gilt eine nicht näher genannte ca. 50-jährige Person aus den Neuen Bundesländern. Dieser Person wird besonders viel Erfahrung mit dem Nachholen von Konsum nach der Wende zugesprochen.


Minijobber und Harz IV Empfänger könnten zu Homeshoppingmanagern ausgebildet werden, die dann Tupperwarenabende oder sonstige Homeshoppingevents veranstalten. Konsumagnostiker müssen 2 Mal im Jahr an solchen Veranstaltungen teilnehmen, bis sie geheilt sind.
Angelehnt an den Energiesparberater will die Bundesregierung nun das Berufsbild des Konsumberaters (IHK zertifiziert) etablieren. In Schnellkursen werden diese (in der Szene bereits als Shoppingqueens bekannt) ausgebildet. Jeder Konsumagnostiker oder jeder Bürger mit einem Kreditlimit von 5.000€ bekommt einen Beratungsgutschein von seiner Gemeinde geschickt . Die Shoppingqueen kommt dann zu Besuch und macht Vorschläge, welche veralteten Möbel, Kleidungsstücke oder andere Haushaltsgegenstände dringend zum Wohle Deutschlands ausgetauscht werden sollten. Ob es eine Abwrackprämie für Wohn- und Schlafzimmer gibt ist noch nicht entschieden. Die Zeitschrift „Schöner Wohnen“ wird aber zusammen mit dem Ikea-Katalog von der Post monatlich kostenfrei allen Haushalten zugestellt.

Die Expertenkommission hat sichverschiedene Produkte näher angesehen. Unklar war den Frauen der Kommission, warum es Mon Cherie nicht auch im Sommer gibt. Die Sommervariante könnte MöönCherie heißen, schlägt Harald G. vor. Darüber hinaus soll auf Vorschlag vom Bauernverband die Portionsgröße von Milchprodukten angepasst werden. Jogurt in der Größe von Fruchtzwergen wird verboten. Mindestgröße für Jogurt wird 500 ml. McDonald und die Fast-Food-Industrie haben sich freiwillig dazu verpflichtet nur noch Produkte ab der Größe von BigMac zu verkaufen. Hamburger werden aus dem Sortiment genommen, ebenso die kleine Portion Pommes.

Die starke Lobby der Gesundheitsindustrie hat die Kommission ebenfalls von Maßnahmen überzeugt. Alle Kinder erhalten am ersten Schultag einen ADHS-Vorsorgetest. Sobald Anzeichen von Hyperaktivität vom durchführenden Pharmareferenten erkannt werden, erhalten die Eltern ein kostenloses 9-jähriges Ritalinabonnement. Mädchen in der Pubertät können auf Kosten der AOK jährlich einen Modelcheck durchführen. Notwendige Schönheitsoperationen trägt ebenfalls die Krankenkasse. Die Bertelsmann Stiftung, quasi das Kompetenzzentrum für Bildungsforschung, schlägt vor, ähnlich wie „Jugend forscht“ einen bundesweiten Wettbewerb „Jugend kauft“ auszuloben. Schließlich kann es nicht sein, dass Kinder in heutiger Zeit noch zum Sparen erzogen werden. Die Sparkassen werden den Weltspartag abschaffen.

Der Apothekerverband verpflichtet sich, Rentnern eine erweiterte Betreuung zukommen zu lassen und führt ab jetzt Hausbesuche durch. Viele Rentner würden noch viel zu wenig Arzneimittel konsumieren.

Die Kirchen solidarisieren sich ebenfalls mit der Bundesregierung. Während die Katholiken mit Verweis auf Limburg und prächtig ausgestattete Kirchen meinen, genug für die Bauindustrie zu tun, bestätigt Margot Käßmann, dass dahingehend in ihrer Kirche „nichts in Ordnung“ ist. Die 4 Millionen Muslime in Deutschland wollen als Zeichen der Integration den Ramadan von 1 Monat auf 1 Tag kürzen. Das würde ihren Konsum deutlich ankurbeln. Die Genehmigung aus Mekka steht aber noch aus.
Auch die FDP wollte kurz vor dem Ausscheiden aus dem Bundestag noch etwas für die Konjunktur tun. Tierfreundin Leutheusser-Schnarrenberger (ihr Hund heißt Dr. Martin Luther) sieht im Besitz von Haustieren einen wahren Konsumturbo. Abhängig vom zu versteuernden Einkommen soll sich jeder Haushalt ein Haustier anschaffen müssen. Kleinverdiener einen Hamster oder Meerschweinchen, mittlere Einkommen Hund oder Katze und große Einkommen Pferde oder dergleichen. Für Bürger, welche aus nachweisbaren Gründen keine Tiere halten können, bietet sich als Ablass eine Spende an Tierheime oder die Patenschaft für rumänische Straßenhunde an. Letzteres hat zu diplomatischen Verwerfungen mit Rumänien geführt und wird wohl nach Intervention Westerwelles als Option gestrichen. Der griechische Botschafter hat als Ersatz der Kommission eine von Goldman Sachs zertifizierte Adressliste mit 4 Mio. Strassenhunden überreicht. Die CSU schlägt vor, dass die Troika bei ihrem nächsten Besuch die Strassenhunde in Athen zählt.

Während die Linken die Kommission und das neue Ministerium als neokapitalistisch ablehnen, waren die Grünen frustriert, nicht über die Existenz der Konsumkommission informiert worden zu sein. Claudia Roth meinte, die grüne Bundestagsfraktion hätte während der Koalitionsverhandlungen sowieso Langeweile und könne sich ganz oder zumindest in Person von Claudia Roth „einbringen“. Olaf Henkel hat ihre Teilnahme allerdings nach Rücksprache mit seinem Kardiologen und mit Hinweis auf ein aus der Teilnahme Roth’s resultierendes erhöhtes Schlaganfallrisiko für Ihn abgelehnt.

Der Bundesrat muss dem Gesetz noch zustimmen. Während die Maßnahmen dem Berliner Wowereit nicht weit genug gehen, lehnen die Schwaben mit Verweis auf die Nichtdurchführbarkeit des Gesetzes in Baden-Württemberg ab. „Die schwäbische Hausfrau wird die Umsetzung des Gesetzes boykottieren“, so Ministerpräsident Kretschmann. Wowereit sieht die Kompetenz für Geldausgeben mit einem Seitenhieb auf Stoiber eindeutig in Berlin und nicht in Bayern. Die AFD meint, wir sollten wieder die D-Mark einführen, dann hätten die Bürger doppelt so viel auf dem Konto und würden sowieso mehr konsumieren. Dann wären sowohl Deutsche als auch die EU glücklich.

Geschehen ist das noch nicht, aber man traut es ihnen zu…

Freitag, 1. November 2013

Monatsthema November

Die Quandt/Klattenaffäre im letzten Monat wirft ein fragwürdiges Licht auf die Unabhängigkeit des Gesetzgebers. Auf der anderern Seite braucht die Wirtschaft auch einen gewissen Einfluss. CATO fragt im November nach eurer Meinung.
Auszug aus der Bundestagswebseite zu Parteispenden

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Niklas Götz


 Die für beendet erklärte Spähaffäre flammt auf wie nie zuvor: Nach Angaben des Spiegels wurde das Kanzlerinnenhandy höchstpersönlich abgehört. Die scharfe Reaktion der Regierung, ein Telefonat mit Obama und das Einbestellen des US-Botschafters zeigen die prekäre Situation. Wie soll man weiter mit den USA umgehen?

Dienstag, 1. Oktober 2013

Niklas Götz

Heute Nacht ist das neue Haushaltsjahr in den USA angebrochen - ohne Haushalt. Der erbitterte Widerstand er Republikanter gegen "Obamacare" hat eine Einigung unmöglich gemacht. Deshalb wurden Behörden in den Zwangsurlaub geschickt - und ändert sich nichts, ist die letzte Supermacht in zwei Wochen pleite.

CATOteam 2013
Ceterum censeo...